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| 16:16 Uhr

Leserpost
Urlaubsplanung war große Sache

Familienurlaub in Bansin in den 1950er-Jahren.
Familienurlaub in Bansin in den 1950er-Jahren. FOTO: Günter Georgi
Senftenberg. Urlaub in der DDR - wie haben RUNDSCHAU-Leser ihn erlebt? Günter Georgi (90) erinnert sich:

Die Urlaubsplanung in der DDR war immer eine große Sache. Zu den begehrtesten Urlaubszielen gehörten auch für viele andere Ostsee-Aufenthalte. Bansin und Prerow waren in den 50er-Jahren die Erholungshöhepunkte. Um die Ostsee-Anreisezeit zu verkürzen, war der erste Urlaubsflug von Berlin nach Barth etwas Besonderes.
Noch größer jedoch war eine bewilligte Reise mit der Tischtennismannschaft Medizin Senftenberg im Jahre 1956 in die Bundesrepublik. Neben den wieder einmal erleichterten Ost-West-Vergleichskämpfen kam es auch zu Besichtigungen, so der Opel-Werke in Rüsselsheim und der Rasierapparatefabrik Braun, wo wir einen elektrischen Rasierapperat als Geschenk erhielten. Auch erhielten wir zehn D-Mark Begrüßungsgeld von der Stadt, in der wir uns angemeldet hatten. Ein Stempel kam in jeden Pass, damit wir nicht mehrmals das Geld beanspruchten.

Wieder an der DDR Grenze, wurden die Stempel gesehen und nach Senftenberg gemeldet. Als Delegationsleiter wurde ich in die SED-Kreisleitung (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) bestellt. Mir wurden die schwersten Vorwürfe gemacht, warum wir das Geld, vom „Bonner Spionageministerium“ angenommen haben. Jeder war doch froh, dass er mal zehn Westmark bekommen hatte, um ein Päckchen Kakao, Ölsardinen oder Schokolade zu kaufen. Das waren Wünsche, die wir hatten.

Günter Georgi
Heusweiler