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| 16:55 Uhr

Lesermeinung
Unglaubliche Unterstellung

Zuwendung lässt sich zwar nicht mit Geld aufwiegen. Aber das Pflegegeld ist nötig, um die finanziellen Belastungen wenigstens ein bisschen abzufedern. Das wissen vor allem pflegende Angehörige.
Zuwendung lässt sich zwar nicht mit Geld aufwiegen. Aber das Pflegegeld ist nötig, um die finanziellen Belastungen wenigstens ein bisschen abzufedern. Das wissen vor allem pflegende Angehörige. FOTO: Peter Endig / dpa
Pflegegeld für Patienten

Zu „Pflege-Notstand erzeugt Frust“ (LR, 5. März): Danilo Illing äußert während der Cottbuser Pflegemesse seine Ansicht, „dass zu wenig Pflegegeld bei den Patienten ankommt, die Pflegegelder würden weitgehend als zusätzliches Familieneinkommen verbucht“, deshalb wüsste er sie am liebsten abgeschafft. Dies ist eine unglaubliche und vor allem pauschale Unterstellung. Herr Illing schert hier alle pflegenden Angehörigen über einen Kamm. Viele wählen eine Kombination zwischen Pflegesachleistung und Pflegegeld. Dieser Restbetrag an Pflegegeld kommt sicher auch in vielen Fällen den Pflegebedürftigen zugute. Denn einen Pflegebedürftigen zu Hause zu versorgen, kostet auch zusätzlich Geld. Es müssen Materialien und Hilfsmittel angeschafft werden, die die Pflegekassen nicht unbedingt übernehmen, es müssen bestimmte Zuzahlungen geleistet werden, obwohl eine Befreiung vorliegt, es muss auch häufiger gewaschen werden als sonst, das heißt, der Wasserverbrauch steigt.

Pflegende Angehörige gehen meist nach der Arbeit nicht ins Kino, ins Konzert oder ins Restaurant, sondern sie gehen zu ihrem „Zweitjob“, um zu putzen, zu waschen, Sonden zu reinigen oder Insulin zu spritzen. Selbst wenn der Pflegebedürftige diesem Angehörigen dafür von dem Pflegegeld etwas geben möchte, müssen die Angehörigen kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie es annehmen. Einige nehmen nicht mal dieses Geld, weil die Hilfe für sie eine Selbstverständlichkeit ist.

Wer garantiert denn außerdem, „dass der Patient auch das erhält, was er wirklich braucht“, wie Anja Illing sagt, wenn keine Angehörigen da sind, die ein Auge darauf werfen, wenn die „notwendigen Leistungen“ allein durch einen Pflegedienst erbracht werden?

Und am „Geschacher um das Geld“ beteiligen sich auch die Pflegedienste, nämlich mit Preiserhöhungen zum 1.1.2016, zum 1.1.2017, zum 1.10.2017 und zuletzt zum 1.3.2018.

Katrin Janetzko
Cottbus