| 12:24 Uhr

Leserbrief
Türkei-Einmarsch in Syrien

Artikel 2, Abs. 4 der UN-Charta besagt: „Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.“

Zwei souveräne Staaten und Mitglieder der Uno – die Türkei und Syrien- sollen aktuell als Beispiel dienen. Auch wenn das Bürgerkriegsland Syrien zerrüttet und zerstört ist, so ist es doch ein anerkannter Mitgliedstaat der Uno. Wer hier Täter, wer hier Opfer ist, ist eindeutig. Seit Samstag, 20.01.18, greift die Türkei ihren Nachbarn Syrien direkt mit Waffengewalt an – ein eindeutiger Verstoß gegen die UN-Charta. Hier sollte es einen Aufschrei der Weltgemeinschaft geben. Aber weit gefehlt, die Weltpolitik tickt anders. Der Nato-Staat Türkei greift kurdische Milizen, die vom Nato-Verbündeten USA unterstützt werden, an. Die USA lassen es geschehen. Ein Aufschrei des Nato-Bündnisses – Fehlanzeige. Russland, ebenfalls Unterstützer der syrischen Kurden, aber mittlerweile auch der Türkei, zieht seine Militärs aus der Region zurück und lässt Bombardierungen der Kurdischen Region Afrin zu. Ganz nebenbei wird durch dieses Morden und Mordenlassen auch noch der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus geschwächt.

Der „Mohr“ hat also seine Schuldigkeit getan. Für den Kampf gegen das Terrorregime „Islamischer Staat“ waren die kurdischen Männer und Frauen gut genug, ihr Leben zu opfern. Nun werden sie selbst Opfer der Großmachtpolitik und wieder einmal, wie Jahrhunderte zuvor, aufgerieben im Großmachtstreben der Welt- und Regionalmächte. Menschenrechte, Gesetzlichkeit und Dank scheinen in der aktuellen großen Weltpolitik nur noch leere Phrasen zu sein. Schämt Euch!

Uwe Vogt
Gießmannsdorf