ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:58 Uhr

Lesermeinungen
Schwammiger Vorschlag

zur Kohlekommission

„Vor uns liegt ein schwammiger Vorschlag mit wenig Sachlichkeit und vielen vagen Vermutungen. Sehr bedenklich ist, dass die soziale Frage (Wegfall der Werte schaffenden Arbeitsplätze) mit Geld zugekleistert werden soll, aber nichts Konkretes zu neuen Werte schaffenden Arbeitsplätzen gesagt wird, und dass zur Versorgungssicherheit und zu tragfähigen Energiepreisen für die Bevölkerung und die Wirtschaft nur nichtssagende Allgemeinplätze enthalten sind.

Seit rund 150 Jahren bemüht man sich um das nach wie vor ungelöste Problem des Speicherns von elektrischem Strom, abgesehen von durchaus erfolgreichen Batterien für Nischenlösungen. Für unerlässliche Riesenbatterien zur Versorgungssicherung mittels erneuerbaren Energien fehlt bislang weltweit jegliche Rohstoffbasis; der Weg über speicherbaren Wasserstoff durch Elektrolyse ist allein aus thermodynamischer Sicht völliger ökonomischer Schwachsinn.

Also werden es Gaskraftwerke richten sollen, nachdem man unsachlich die Atomenergie hierzulande verteufelt hat und abschafft. Nur bringen diese gegenüber der Kohleverstromung keinerlei Kohlendioxidverringerung, wenn fairerweise der erhebliche Energieaufwand für die Gasförderung im hohen Norden und der Transport zu uns mit einbezogen wird.

Der Bau der dann notwendigen Gaskraftwerke sowie die erforderlichen großen Stromtrassen in den stark industrialisierten Süden Deutschlands (noch dazu völlig ungewiss, ob das in knapp verbleibenden 20 Jahren überhaupt gelingt) für die erneuerbaren Energien erhöhen zwangsläufig die Strompreise erheblich.

Zum eigentlichen Problem der weltweit wachsenden Kohlendioxidemissionen gibt es auch außer­halb der Kommission kein Wort: Jährlich wächst die Weltbevölkerung um 80 Millionen Menschen, und das seit mehreren Jahrzehnten. Die Existenz eines einzelnen Menschen schlägt mit zwei Tonnen Kohlendioxiderzeugung im Minimum jährlich zu Buche. Betrachtet man Deutschland mit seinen etwa 80 Millionen Bewohnern und zehn Tonnen Kohlendioxid pro Mensch, so würde eine Reduktion auf fünf Tonnen (bei erheblichen sozialen Verwerfungen) nach 2 1/2 Jahren durch den Bevölkerungszuwachs weltweit gleich Nulleffekt bedeuten.

Mal abgesehen davon, dass der Klimawandel untrennbarer Bestandteil unseres Planeten ist und bleibt und unbestritten der Mensch zu seiner Beschleunigung seinen Teil beiträgt, ist eine nachhaltige Senkung der Kohlendioxiderzeugung ohne Beendigung des Weltbevölkerungswachstums (ich habe auch keine Vorstellung, wie das machbar ist) blanke Illusion, zumal auch der Großteil der am Existenzminimum lebenden Menschen in dieser Welt berechtigt besser leben will (mehr Kohlendioxidausstoß dadurch unabdingbar).

So ist dieser Kohleausstiegskompromiss billiger Aktionismus, weil die Ganzheit der Welt, wo alles mit allem zusammenhängt und jede Medaille zwei Seiten hat, nicht betrachtet wird. (...)“