| 17:08 Uhr

Lesermeinung
Russen sind immer die Schurken

Fall Skripal und der Westen

Im Eilverfahren unter Missachtung rechtsstaatlicher Normen haben Theresa May, ihr Außenminister und 14 „Willige“ die Schuldigen im Fall Skripal ermittelt: Russland, höchstwahrscheinlich Putin. Das weckt Misstrauen, ein plausibles Interesse an der Ermordung der Skripals hatte die russische Seite nicht. Um seine Wiederwahl musste sich Wladimir Putin keine Sorgen machen, die Mehrheit der Russen steht ohne Frage hinter ihm. Die Vorbereitungen auf die Fußballweltmeisterschaft 2018 laufen auf Hochtouren, die Menschen sind begeistert, stolz und voller Erwartungen. Sind das etwa die Anlässe, der russischen Seite „versuchten Mord“ zu unterstellen, um das Land und seine Führung wieder einmal als „Schurken“ an den Pranger zu stellen?

Auf internationalem Parkett hat Russland zahlreiche Gegenspieler, die nichts unversucht lassen, das Land in Misskredit zu bringen. Diesen Umgang kennen die Russen nur zu gut. Auf Unverständnis stößt die Weigerung der britischen Regierung, ein russisches Expertenteam in die Ermittlung des vorliegenden Falles einzubeziehen, denn „Nowitschok“ hat mittlerweile Besitzer in vielen Ländern. Fürchtet die britische Seite, dass bei gründlicher Recherche zum Anschlagsgeschehen auch für sie unangenehme Details ans Licht kommen könnten? Es gäbe Parallelen zum Fall Litwinenko, heißt es aus London. „Parallelen“ sind Verdächtigungen, keine überzeugenden Beweise. Dass die „Bösen“ immer lügen und die „Guten“ die unbescholtenen Ehrlichen sind, erzählen Märchen. Das wusste auch Shakespeares Hamlet: „Allein der Glaube fehlet mir.“ Die Realität ist nämlich eine andere.

Gesina Braun
Spremberg