| 17:16 Uhr

Lesermeinung
Personal-Symbolik West

Groko wird kein großer Wurf

Das Strahlen der Sieger (Koalitionäre) darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Groko kein großer Wurf zu werden verspricht. Nicht nur, dass inhaltlich vieles vage oder ganz offen bleibt, auch die ersten personellen Signale, die sie aussendet, sind nicht dazu angetan, landesweit großen Jubel auszulösen. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass die einen nach Niederlagen in der eigenen Partei dringend mit einem Posten versorgt, andere für innerparteiliche Treue mit einem Posten belohnt werden sollen, wieder andere auf ihren unbeliebten Ressorts sitzen bleiben, weil sich keiner findet, der sie besser machen könnte oder wollte und eine vierte Gruppe schlicht der Kosmetik dient, um das Regierungskabinett jünger und weiblicher erscheinen zu lassen. Hamburg wird sich wohl nicht allzu sehr darüber freuen, dass es nach seinem Umweltminister nun auch den Regierenden Bürgermeister verlieren soll, aber die Stadt ist dann ja immerhin gut vertreten im Kabinett.

Der Osten dagegen darf sich weiter abgehängt fühlen, denn so weit reicht die Personal-Symbolpolitik der Koalitionäre nicht, einem Ostdeutschen (Angela Merkel zählt ja längst nicht mehr) Verantwortung für ein Ministeramt zuzutrauen. Stattdessen wird man weiter einen Ostbeauftragten bestellen, was sich für die Betroffenen etwa so anfühlen muss, als würde ein Problemkind einen Erziehungshelfer an die Seite gestellt bekommen. Und der Mann, der „Gerechtigkeit“ zur Phrase ausgehöhlt hat, wendet den Problemen und seinem Geschwätz von gestern den Rücken und will künftig lieber auf Auslandsreisen gehen.

Thoralf Schirmer
Spremberg