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| 18:36 Uhr

Lesermeinung
Orchester verdankt Christ viel

Streit um Führungsstil

Zu „Chefdirigent Evan Christ wehrt sich vor Gericht – wird es einen Vergleich geben?““ (LR, 3. Juli): Ihre Berichterstattung lässt völlig offen, was tatsächlich geschehen ist. Die Worthülsen wie „autoritärer Führungsstil“ wie auch „cholerische Anfälle“ sind schnell (leichtfertig?) zur Hand, führen aber nicht weiter. Selbst unterstellt, dass Herr GMD Christ zuweilen deutliche Worte gefunden haben mag, ist zu fragen, ob er grundsätzlich so harsch war oder etwa durch eine Art Leistungsverweigerung der Ensemblemitglieder provoziert worden ist.

Erst ab 2008 (im Verlauf mehrerer Jahre) hat das Orchester unter Herrn Christ den Standard der sogenannten großen Häuser erreicht – und wie es scheint – nicht zur Freude des Orchesters. Wahrscheinlich war das Orchesterleben bis 2008 bequemer. Im Konservatorium Cottbus wurde offen darüber gesprochen, dass der Wechsel dem Orchester gutgetan habe.

Dass das Orchester in der Lage ist, den Anforderungen von Herrn Christ zu genügen, zeigen die Aufführungen der letzten Zeit.

Aber war das Orchester auch ohne die vermeintlich deutlichen Worte dazu bereit? Das kann nicht angenommen werden; warum ist nicht schon früher so musiziert worden, und warum sollte sonst Herr Christ so deutlich geworden sein? Das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus scheint vergessen zu haben, dass es seinen Chefdirigenten beziehungsweise den GMD nicht selbst wählen darf, verhält sich aber so. Der Arbeitgeber des Orchesters sollte hierüber nachdenken.

Herr Christ hat nicht nur das Orchester zu früher nicht für möglich gehaltenen Erfolgen geführt, sondern auch die Sängerinnen und Sänger extrem gefördert. (...) Vielleicht hätte Herr GMD Christ auf Entlassung von unwilligen Ensemblemitgliedern (Orchester und Bühne) dringen sollen; im Ergebnis wird ihm nur angelastet, auch mit den offenbar Unwilligen zum Erfolg gekommen zu sein. (...)

Paul Quast
Bronkow