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| 02:38 Uhr

Noch nie soweit voneinander entfernt

Willkommenskultur vor Abschiebung Klaus Schmiedchen aus Cottbus schreibt zum Wort 2016. "Postfaktisch" war von einer Jury gekürt worden.

Ein Unwort wurde offenbar nicht bestimmt. Für Schmiedchen ist es der Begriff "Abschiebung": Es vergeht kein Tag, an dem nicht - quer durch die Parteilandschaften, am häufigsten von der CDU - dieses "Unwort" strapaziert wird. Die Willkommenskultur, wie diese noch vor reichlich einem Jahr von großen Teilen der deutschen Bevölkerung den Flüchtlingen in guter Absicht entgegengebracht wurde, wird seit mehreren Monaten unter Wortführung des deutschen Innenministers, mit Duldung der Bundeskanzlerin, in eine Abschiebe-Hysterie umgewandelt. Erst einladen und dann mangels Konzeptlosigkeit abschieben, das geht überhaupt nicht. Der gute Ruf und die sehr positive internationale Würdigung für die vielen freiwilligen Helfer, werden durch Ungeschicklichkeit der deutschen Bundesregierung beschädigt. Diese Abschiebe-Hysterie kann nach meiner Meinung die Radikalisierung frustrierter Asylsuchender befördern.

Frau Bundeskanzlerin - appellieren Sie bitte an die verschiedenen Parteien, zu dem leider begonnenen Wahlkampf, dass Humanität und Menschenwürde, insbesondere unter Berücksichtigung der Flüchtlingsbedingungen, nicht den Erfolgszielen der Parteien untergeordnet werden.

Dem christlichen Weihnachtsfest sollten wir Deutschen als anhaltende Botschaft des Friedens und der Menschlichkeit, insbesondere auch gegenüber den Menschen aus dem Morgenland, begegnen.

Die Willkommenskultur muss wieder vor der Abschiebung stehen! Gewissenhafte Grenzkontrollen müssen diese Willkommenskultur begeiten.

Noch nie soweit voneinander entfernt

Hans-Jürgen Gresch aus dem Mühlberger Ortsteil Koßdorf schreibt zu "Tierwohl-Label und Essen ohne Mehrwertsteuer" (RUNDSCHAU, 31. Dezember): "Glückliche Kühe auf der Weide, so sieht Landwirtschaft in Bilderbuch aus - die Realität ist eine anderer". So lautet der Vorspann zum oben genannten Artikel. Meine Erfahrung, was die Realität betrifft, ist folgende. Noch nie in der Geschichte der Menschheit waren die Lebensmittelkonsumenten weiter von den -produzenten entfernt als heute. Der Verbraucher weiß schon lange nicht mehr, wie das Essen entsteht, das täglich auf seinem Teller landet, wie es angebaut, gepflegt, gezüchtet, geerntet, geschlachtet verarbeitet oder kurz: hergestellt wird - ganz egal, ob er in der Kantine isst, im Edelrestaurant, an der Imbissbude oder, ob er im Supermarkt vor langen Regalen voller bunter Plastikverpackungen mit kleingedruckten Inhaltsangaben steht. Und wir Bauern, die wir ganz am Anfang dieser Produktionskette stehen. Wissen im Grunde auch nicht mehr, was die Verbraucher eigentlich wollen. Es klafft eine riesige Lücke, zwischen den Verbraucherinnen und Verbrauchern und uns, den Landwirten. Und auf beiden Seiten mehren sich Unmut und Unzufriedenheit, Ärger und Schuldzuweisungen. Auf die doppelte Moral in der Gesellschaft, angesichts der wiederkehrenden Diskussionen zu den Produktionsmethoden, Alle wollen zurück zur Natur, "aber keiner zu Fuß". Zudem kommen in der öffentlichen Wahrnehmung nur die romantische Idylle oder der Skandal vor, nicht aber der Normalfall, wie er in den Ställen vorzufinden ist. Auch ist es Tatsache, dass die Medien die Meinungsführerschaft übernommen haben und Moral vorgeben "Wer nicht kommuniziert, macht sich verdächtig." Für die Landwirtschaft sollte das Prinzip vorherrschen "Berichte selbst, sonst tun es andere". Die Landwirtschaft muss zwischen hochprofessionellen Umweltverbänden, die auch mit eigenen Studien arbeiten, den Bürgern, die mitreden wollen und sich alleine nicht durch Fakten überzeugen lassen, und den Medien, für die die Thematisierung vom Konflikten attraktiv ist, kommunikativ mitspielen. Immer neue Prüf-, Güte-, und Qualitätssiegel sowie Zertifizierungen und Initiativen bis hin zur Produktions-Rückverfolgung bis in die letzte Schweinebuchte haben den Landwirten doch nichts wirklich gebracht. Wir haben viele Jahre versucht zu erklären, was wir tun. Leider kommen wir damit allein nicht weiter. Auch nicht mit dem Tierwohl-Label des Landwirtschaftsministers.