| 02:37 Uhr

Nato-Aktionen umstritten

Rumänische Soldaten bei der US-geführten Militärübung "Saber Guardian 2017". An der Militärübung im Juli haben 25 000 Soldaten aus den USA und mehr als 20 weiteren Nationen bei dem Test der "Nato-Speerspitze" teilgenommmen.
Rumänische Soldaten bei der US-geführten Militärübung "Saber Guardian 2017". An der Militärübung im Juli haben 25 000 Soldaten aus den USA und mehr als 20 weiteren Nationen bei dem Test der "Nato-Speerspitze" teilgenommmen. FOTO: dpa
"Der Ball liegt bei Russland", so lautete der Titel des Interviews zu Nato-Aktivitäten in Osteuropa mit dem Militärexperten Peter Boßdorf am 18. Juli in der RUNDSCHAU.

Boßdorfs Standpunkt: Die Aktivitäten müssen niemanden beunruhigen. Seine Ausführungen haben zu vielfältigen Reaktionen der RUNDSCHAU-Leser geführt, die wir hier in Auszügen veröffentlichen.Vielen Dank für die Zuschriften! Auf unsere Online-Umfrage antworteten 140 Leser. 39 Prozent von ihnen sind für Nato-Übungen, 61 Prozent missbilligen sie.

US-Politik ist verlogen

(. . .) Sowohl Russland als auch die USA haben in der Vergangenheit militärisch interveniert, um ihre Interessen zu wahren. Aber so eine Verlogenheit wie bei den USA findet man nicht wieder. Der Krieg gegen den Irak ist ein Beispiel. Die USA haben als bisher einziger Staat Atombomben eingesetzt. Sie haben den Krieg gegen Vietnam mit äußerster Brutalität geführt. (. . .) Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass sich die USA in einer ähnlichen Lage befunden hätten wie Russland nach dem Maidan Putsch (Der Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte befindet sich auf der Krim), wie hätte die US-Regierung entschieden? Außerdem zieht sich der Nato-Ring immer enger um Russland. Da ist es doch für die USA wieder mal gut, geostrategisch so günstig zu liegen. Ich hoffe für meine Kinder und Enkel, dass der Frieden nicht leichtsinnig aufs Spiel gesetzt wird.

Bernhard Dreher Calau

Bedenken sind verständlich

Es trifft zu, dass nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" nicht beabsichtigt war, die Nato nach Osten zu erweitern. Russland hatte damals aber hoch und heilig versprochen, dass die Zeiten des Kalten Krieges nun endgültig vorbei seien. Putin hat dies während seiner ersten Amtszeit sogar in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag bekräftigt. Das alles gilt heute nicht mehr. Russland hat die Krim besetzt und nicht die Nato. Russland hat das Flugzeug nach Malaysia abgeschossen und nicht die Nato. Man versetze sich einmal in die Lage der Baltischen Staaten oder Polens, die jahrzehntelang unter der Knute der Sowjetunion gelitten haben. Diese Staaten haben ein Sicherheitsbedürfnis und allen Grund, Russland zu misstrauen. Also haben sie den Anschluss an die Nato gesucht, die immer ein Verteidigungsbündnis war. Verteidigung aber muss geübt werden, weshalb es nur zu selbstverständlich ist, wenn in Polen entsprechende Manöver abgehalten werden. Ich halte es für problematisch, so zu tun, als sei Russland der liebe Nachbar, vor dem wir keine Angst zu haben hätten. Vorreiter dieser Stimmung ist der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Platzeck (SPD), der sich mehr und mehr zur "fünften Kolonne Moskaus" entwickelt. Wann immer Russland den Rest der Welt in Angst und Schrecken versetzt, Platzeck kann gar nicht schnell genug in einer Talkshow auftreten, um um Verständnis für Putin zu werben, der, wie wir aus dem berufenen Mund des ehemaligen Bundeskanzlers Schröder (ebenfalls SPD) wissen, ja ein "lupenreiner Demokrat" ist.

Sebastian v. Rotenhan Felixsee

Nato provoziert Russland

(. . .) Dass Russland sich provoziert fühlt, ist verständlich. Wer hat denn die Provokation ausgelöst? Das ist die Nato. Sie hat sich trotz Vereinbarungen im Zusammenhang mit der Vereinigung Deutschlands nach Osten erweitert. (. . .) Wer hat die Staaten eingeladen? (. . .) Es kommt mir so vor, dass erst mit der Aufnahme in die EU geworben wird und anschließend erfolgt dann die Aufnahme in die Nato. Es wird Nationalismus geschürt. Die Ergebnisse spüren wir ja schon in Polen und Ungarn. Auch andere Staaten sind nicht weit davon entfernt. Nicht vergessen darf man den sogenannten "Weltpolizisten" USA, der uns über das Nato-Bündnis in die Krisenherde mit hineinreißt. Warum müssen wir den arabischen Ländern unsere Demokratie überstülpen? Das hat der damalige "Ostblock" auch schon einmal probiert. Das müssen Staaten schon selbst machen. Auch Europa war vor Jahrhunderten ein Gebiet, in welchem die Probleme auch nicht anders waren (Unterdrückung der Frauen, Ablasshandel, Hexenverbrennung, Unterdrückung der Bevölkerung usw.). Europa, wie andere Erdteile auch, war ein Kontinent der Kriege und Auseinandersetzungen, und auch heute brennt es immer wieder einmal irgendwo. Klar ist es schön, wenn wir seit mehr als 60 Jahren bereits ohne Krieg in Mitteleuropa leben. Aber wer garantiert für die Zukunft? (. . .)

Günter Noatsch per E-Mail

Aussöhnung ist gefragt

Das Interwiev (. . .) ist (. . .) eine Zumutung. Diese Herren haben Deutschland schon in zwei Weltkriege gestürzt, bei denen viele ihre Väter (. . .) verloren haben. Wie kann man mit Argumenten, dass Polen und die osteuropäischen Staaten jahrhundertelang mit Russland schlechte Erfahrungen gemacht haben, als Grund für eine Aufrüstung im Osten nennen. Zwischen Frankreich und Deutschland gab es jahrhundertelang die gleichen Probleme. War die Aussöhnung etwa falsch? (. . .) Russland wird in den Medien als Bedrohung dargestellt, um die Rüstungsspirale zu begründen. (. . .)

H.-Günter Nothing per E-Mail

Vorherrschaft gefährdet

Nazideutschland ermordete sechs Millionen Juden. Die jetzige deutsche Regierung sagt, wegen des fürchterlichen Holocausts der Nazis wird die Beziehung zu Israel immer eine besondere sein und Deutschland immer an der Seite Israels stehen. Deutschlands verbrecherischer Krieg gegen die Sowjetunion ermordete 27 Millionen Sowjetbürger. Erfordert das nicht auch für ewig eine besondere Beziehung? Mehrere hochrangige US- und deutsche Politiker versicherten Russland, (das die deutsche Einigung gestattete), nach Abzug deren Truppen, keine Natoausdehnung in die ehemaligen Warschauer Vertragsstaaten. Warum stehen dann deutsche Panzer an der russischen Grenze? Ronald Reagan verdammte die kommunistische Sowjetunion als Hort des Bösen. Jetzt gibt es in Russland keinen Kommunismus mehr, nur Kapitalismus und Oligarchen, (. . .) warum ist komischerweise Russland immer noch der Hauptfeind der USA und bedroht angeblich uns, obwohl die Nato ein Vielfaches der Militärausgaben hat? Auf alle diese Fragen gibt es eine Antwort! Alle Länder, die sich dem selbsternannten Weltpolizisten USA nicht unterordnen, erfahren Regime Change. (. . .) US-Doktrin ist die Verhinderung des Zusammengehens deutscher Technologie und Innovation und Wirtschaftskraft mit Russland, seinen Erzen, seinem Erdöl und Erdgas und Arbeitskräften, weil das die Vorherrschaft der USA gefährdet. (. . .)

Michael Ziegler per E-Mail

"Hände weg von Russland"

Es galt nach dem Ende des letzten Weltkrieges bei den Völkern Osteuropas das Vermächtnis "Nie wieder Krieg". Es wurden völkerrechtliche Entscheidungen durch die Siegermächte auf den Weg gebracht, die eine friedliche Zukunft und das Zusammenleben in Europa sicherer machen sollten. (. . .) Nicht gerade zimperlich wird mit Russland umgegangen, wenn es darum geht, neue Felder einer Art Bedrohungslüge aufrechtzuerhalten. Das Ausmaß von Krieg, Vertreibung und Unterdrückung mussten bisher die Völker Osteuropas erleiden und dafür - allen voran Russland - einen hohen Preis bezahlen. Der Ukrainekonflikt sollte deshalb besser mit vertrauensbildenden Maßnahmen gelöst werden. Das Manöver der Nato ist aus meiner Sicht nicht angetan, positiv auf Entwicklungen einzuwirken.Mit Drohungen wird nichts erreicht. Sanktionen des Westens haben das bereits bewiesen.Die Weisheit dieser Tage sollte deshalb besser heißen: Hände weg von Russland!

Hans Stolze Lübbenau