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| 17:01 Uhr

Lesermeinung
Mehr Verständnis ist nötig

Demonstriert nach Innen und Außen Stärke: Russlands Präsident Wladimir Putin.
Demonstriert nach Innen und Außen Stärke: Russlands Präsident Wladimir Putin. FOTO: Alexei Druzhinin / dpa
Russland und der Westen

(...) Auch wenn die Präsidentenwahl im größten Land der Erde nicht den hohen Standards deutscher Wahlen entspricht, darf man sie nicht pauschal verdammen. Ein Journalist hat die Pflicht, eine ausgewogene Einschätzung abzugeben und sich nicht parteiisch zu machen.(...) Zweifellos wurde auch bei dieser Präsidentenwahl getrickst und gefälscht – wie übrigens auch in vielen anderen Ländern. Selbst wenn Putin nicht drei Viertel der Wählerstimmen erreicht hätte, sondern ein paar Punkte weniger, bleibt eine erstaunliche Zustimmung für diesen Mann und seine Politik, die auf einen starken, wehrhaften Staat zielt. Von dem Wahlergebnis sowie der hohen Wahlbeteiligung können westliche Demokratien nur träumen.

Wenn Herr Kolhoff die Wiederwahl von Putin aber sogar mit einem Puffbesuch vergleicht, den Präsidenten ständig als Diktator bezeichnet und dessen Regierung als Clique sowie von „feuchten Raketen-Allmachtsträumen“ schreibt, dann zeugt das nicht nur von schlechtem Stil. Das ist aus meiner Sicht schon Hetze gegen die politische Führung Russlands. (...)

Was wir stattdessen dringend brauchen, sind neue Ideen für eine partnerschaftliche Zukunft mit diesem Riesenland, das immerhin unseren Energiebedarf zu einem Drittel deckt. Wir brauchen mehr Verständnis für die innenpolitischen Probleme Russlands sowie neue Abrüstungsinitiativen. Was wir nicht brauchen, ist eine Dämonisierung der Führung dieses Landes als aggressive, repressive, böse Macht, die von den „guten Demokraten“ im Westen diszipliniert werden müsste, ob mit Sanktionen, Eindämmungsmaßnahmen oder Krieg. Das ist schon mehrmals in der Geschichte gescheitert, von Napoleon über Kaiserdeutschland bis Hitler. Immer war Russland das Opfer, nie der Aggressor – diese historische Tatsache sollte nie vergessen werden! (...)

Peter Jähnel
Cottbus