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| 18:20 Uhr

Leserbrief
Immer die Balance halten

Staatstheater-Leitung

Zu „Wer soll am Staatstheater den Ton angeben?“, LR vom 29. Dezember: Intendant zu sein, beinhaltet nach meinen 24 Jahren Zuschauer­erfahrung, immer die schwebende Balance zu erhalten zwischen verschiedensten Interessengruppen. Da sind zum einen die Zwänge des finanziellen Rahmens, die Wahrung der Erwartungen der verschiedenen Sparten und Gewerke und niemals zuletzt, die kulturellen Ansprüche des Publikums. Meiner Meinung nach sollte ein künstlerisch neutraler, aber nicht unerfahrener „Theaterökonom“ an der Spitze stehen. Er musss vermitteln können zwischen den Mitarbeitern des Hauses und den Einwendungen des Stiftungsrates und der Landespolitik.Unter Christoph Schroth sagte man, das Schauspiel steht zu sehr im Mittelpunkt und unter Martin Schüler das Musiktheater. Ich bin der Meinung, dass unter beiden Chefs hervorragende Künstler die Cottbuser Bühne betreten und wieder verlassen haben, die heute ihren Weg in aller Welt weitergehen. Und das muss auch der Anspruch an zukünftige Theaterleiter sein. Ein ausgewogenes Spielprogramm aufzustellen mit neu interpretierten klassischen Literatur- und Musikwerken, etwas von der leichteren Muse, Tanz, neuen Kompositionen im Orchesterbereich, bleibt auch in Zukunft eine Herausforderung, wenn die Leute nicht scharenweise wegen schwacher unispirierenderr Stücke die Zuschauerränge verlassen sollen. Die Cottbuser sind in vielen Dingen sehr konventionell, was ihre Seh-und Gefühlsgewohnheiten angeht. Ein radikaler Umbruch hin zu allzu trashigen Aufführungen tut unserem Musentempel nicht gut.

Alexander Merzyn hat sich seit dem Frühjahr hier Anerkennung verschafft, deshalb gehört er als Musikdirektor hierher. Es wird wieder im Gesangsbereich mit vielen Gästen gearbeitet, die das bestehende hervorragende Ensemble wundervoll ergänzen. Das darf gerne so beibehalten werden. Schauen wir mal, wer es in naher Zukunft im Cottbuser Theater richten wird.