ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:55 Uhr

Lesermeinungen
Betrachtungen sind zu einseitig

Ein kritischer Blick auch auf Russland nötig

Sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst: Ich finde sehr gut, dass Sie ein breites Spektrum an Lesermeinungen abbilden – davon lebt die Demokratie. Bei der Lektüre der in der vorigen Woche veröffentlichten Beiträge zum Thema Russland und Nato stelle ich jedoch eine gewisse Einseitigkeit fest, der meines Erachtens widersprochen werden muss.

Viele Schreiber scheinen aktive Leser der Websites von „Russia Today“ oder „Sputniknews“ zu sein, da sie deren Argumentation – oft wortgleich – übernehmen. Nun sind diese Onlinemedien wahrlich keine Plattformen freien Meinungsaustauschs und die Betreiber keine unabhängigen Journalisten.

Interessant auch, dass sie von den linken und rechten Rändern gleichermaßen zitiert werden in Abwehr der „staatstragenden Journaille“. Warum erwähnt keiner der Leserbriefschreiber das deutliche Übergewicht der russischen Atomwaffensprengköpfe (Overkillpotenzial!)? Warum benennt niemand das Vorgehen der Russen auf der Krim als völkerrechtswidrig? Warum werden die inzwischen nachgewiesenen Morde in Großbritannien nicht thematisiert, nicht die belegbaren Angriffe russischer Geheimdienste im Netz auf Organisationen aller Art?

Wir kommen im demokratischen Diskurs nicht weiter, wenn man die – zu Recht – artikulierte Kritik an der US-Administration mit Argumenten derjenigen „unterfüttert“, die nicht die Stärkung der Demokratie als Ziel haben, sondern die Spaltung Europas, das einer der Leserbriefschreiber absurderweise gar als „Nato-Europa“ verunglimpft hat.

Kai Sprenger, Cottbus