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| 18:08 Uhr

Lesermeinung
Theorie und Praxis der Integration

Zur Lage der Flüchtlinge Von Joachim Lehmann

Wenn auch die Bundesagentur für Arbeit wieder einmal verkündet hat, dass ,,Immer mehr Flüchtlinge einen Arbeitsplatz finden“, ist das löblich, aber für den Bürger jedoch kaum spürbar. Aus dieser Sicht ist die Integrationsabsicht des Staates zwar dringend notwendig, findet aber in der Verwirklichung aufgrund des quälenden Verlaufs in der Bevölkerung nur geringe Anerkennung. Gelungene Einzelbeispiele lösen nicht annähernd das Problem, da die Masse der Flüchtlinge nach wie vor einen zu unstrukturierten Tagesablauf erlebt, welcher verständlicherweise wohl immer wieder zu hinreichend bekannten Vorfällen führt.

Die Öffentlichkeit in Deutschland hätte zu dieser Problematik sicherlich eine völlig andere Haltung, wenn die Kriegsflüchtlinge und Asylanten bereits in einem frühen Stadium des Aufnahmeverfahrens, in ihren zugewiesenen oder gewählten Orten in der Breite in Gruppen zusammengefasst, zu allgemeinen einfachen, aber sinnvollen Tätigkeiten eingesetzt werden würden.

Unter Anleitung könnten Arbeitsverrichtungen in den Städten und Gemeinden, in der Land- und Bauwirtschaft und anderen gesellschaftlichen Bereichen erfolgen, um nicht zuletzt auch dem immer wieder beklagten Arbeitskräftemangel zu begegnen. Mit kleinem Geld entlohnt, wäre für die Allgemeinheit erkennbarer, woher die für jeden täglich sichtbare, oft gar nicht so schlechte persönliche Ausstattung der Flüchtlinge kommt. Bedeutsamer ist aber, dass die Diskussionen und Ängste der Bevölkerung um den immer wieder durch die Migranten vermuteten Einbruch in die bestehenden Sozialsysteme eingeschränkt werden könnten.

Große Teile der Bevölkerung, insbesondere aber die, die von Kinder- oder künftiger Altersarmut bedroht sind oder sein können, fragen sich doch, warum sie mit ihren vielen Jahren Arbeitsleistung nur wenig besser gestellt sind als die befristet, geduldeten oder unbefristet eingruppierten Flüchtlinge, für deren Unterhalt, ohne Arbeitsleistung, klaglos der Steuerzahler aufkommen muss. Trotz des Hinweises der Politik, dass es Deutschland wirtschaftlich gut geht, sollte das Gerechtigkeitsgefühl der Menschen nicht beeinträchtigt werden – was aber passiert und durch die Entwicklung der letzten Jahre das Wählerverhalten der Bürger bekanntermaßen stark beeinflusst hat. Werden Vorschläge zum Arbeitseinsatz an entsprechender Stelle diskutiert, beeilt man sich fast immer, sofort festzustellen: „Das dürfen die (Flüchtlinge) doch nicht, die Gesetze lassen das nicht zu!“ Na gut: Bestehende Gesetze sind zwar einzuhalten, aber sind sie denn in Stein gemeißelt und nicht veränderlich? – so die Meinung in der öffentlichen Wahrnehmung der Bürger. Könnte hier nicht schon die Integration, von der so viel geredet wird, beginnen?