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| 18:14 Uhr

Lesermeinung
Fremdanamnese gehört dazu

 Dieses Foto der Rechnung für die Leichenschau samt „Fremdanamnese“ bei Torsten Volkmanns Schwiegermutter – dem in dem Beitrag geschilderten Fall – war am 22. Dezember in der RUNDSCHAU veröffentlicht worden.
Dieses Foto der Rechnung für die Leichenschau samt „Fremdanamnese“ bei Torsten Volkmanns Schwiegermutter – dem in dem Beitrag geschilderten Fall – war am 22. Dezember in der RUNDSCHAU veröffentlicht worden. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Zum Beitrag „Tricksereien beim Totenschein“ Von Dr. Caren Harnath

Die RUNDSCHAU hatte am 22. Dezember da­rüber berichtet, dass Brandenburger Bestatter sich da­rüber beschweren, dass manche Ärzte überhöhte Leichenschau-Gebühren verlangen würden. Die Familien der Toten müssten die Rechnungen bezahlen. Laut Bericht geht der Betroffene Torsten Volkmann nun dagegen vor. Die brandenburgische Landesärztekammer schweige aber zu dem Thema. In dem konkreten Fall geht es um die „Erhebung einer Fremdanamnese“ für 67,80 Euro, deren Zahlung umstritten ist.

Allgemein empfinden Mediziner offenbar die Vergütungen der Leichenschau als unzureichend, vor kreativen Aufwertungsversuchen wird aber gewarnt. Aus Sicht der Bestatter-Innung Berlin-Brandenburg sind Tricksereien bei den Gebühren allerdings kein Einzelfall. Der im Beitrag betroffene Torsten Volkmann will indes gegen die Notärztin Anzeige wegen Abrechnungsbetrugs erstatten. 

Zu dem Thema äußert sich jetzt eine Ärztin aus Cottbus.

Die Tabelle zur Rechnung der Leichenschau ist durch die letzte handschriftliche Spalte verfälscht. Die GOÄ-Nummer – beispielsweise 100 mit einer Punktzahl von 250 (=14,57 Euro) – ergibt bei üblichem Faktor von 2,3 dann den korrekten Betrag von 33,51 Euro – wie in der vierten Spalte richtig eingetragen und nicht wie dann nochmals mit 2,3 multipliziert den ganz rechten handschriftlichen Rechnungsbetrag von 77 Euro.

Nach den allgemeinen Bestimmungen kann der Arzt für die zurückgelegte Wegstrecke ein Wegegeld nach Paragraf 8 berechnen. Diese Position taucht gar nicht auf. Auch ein Zuschlag für besondere Zeiten wie beispielsweise Samstag/Sonntag/Feiertag und nächtliche Uhrzeiten bei der Ausführung der Todesfeststellung sind nach der GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) bei der Rechnungslegung erlaubt.

Die Ärztliche Aufgabe zur Feststellung des Todes („Durchführung der Leichenschau laut Bestattungsgesetz“) und Ausfüllung des Totenscheins („Dokumentation des Todes laut Leichenschaudokumentationsverordnung“) setzt die Untersuchung des Toten und die Erhebung der Krankengeschichte (Fremdanamnese nach GOÄ Nr. 4) voraus. Der Arzt muss sich über die Krankheiten des Verstorbenen, seine Beschwerden, die letzten gesundheitlichen Auffälligkeiten und die äußeren Umstände, die zum Eintritt des Todes geführt haben, persönlich und ausführlich informieren – bei den Angehörigen, dem Pflegepersonal, gegebenenfalls anderen Personen. Erst dann kann der Leichenschau-Arzt korrekt die so geklärte unmittelbare Todesursache und die ebenfalls hier zu benennenden vorangegangenen Krankheiten und Grundleiden in das Dokument eintragen und die Leiche zur Bestattung freigeben, gegebenenfalls andererseits bei Unklarheiten, nicht klärbarer Todesursache oder nicht-natürlichem Tod weitere Ermittlungen durch die Polizei und Staatsanwaltschaft veranlassen.

Zusammenfassend möchte ich mich von der Aussage, Ärzte verlangen überhöhte Leichenschau-Gebühren, vehement distanzieren. ( . . . )