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| 19:11 Uhr

Lesermeinung
Pflichverletzungen von vielen Seiten

Zum Klinikum Niederlausitz Von Christian Raum

Die finanzielle Situation des Klinikums Niederlausitz ist seit Jahren hausgemacht. Jetzt die Mitarbeiter für die massiven Fehlentscheidungen des Managements sowie die langjährigen und grundsätzlichen Aufsichtspflichtverletzungen von Teilen des Aufsichtsrates und des Gesellschafters, also des Landrates, bluten zu lassen, ist an Realitätsferne kaum noch zu überbieten. Insbesondere deshalb, weil die Mitarbeiter bereits seit vielen Jahren auf bedeutende Teile im Gehaltsgefüge verzichten. Als ehemaliger Angestellter bin ich noch immer sicher, dass die Mitarbeiter des Klinikums, unabhängig von Qualifikation, Position und Tätigkeit, hochmotiviert und sehr kompetent ihre wichtige Arbeit verrichten und loyal gegenüber ihrem Arbeitgeber stehen. Das kann man von der ehemaligen beziehungsweise aktuellen Geschäftsführung so nicht sagen. Mit einem Maß an Selbstüberschätzung, welches tendenziell an Hybris grenzt, wurde nach der Selbstwahrnehmung der eigenen Unfehlbarkeit nach Gutsherrenart ein kommunales Unternehmen nahezu in die Insolvenz gesteuert. Vielleicht hätte den drei Damen und Herren mal jemand von den Aufsichtsgremien erklären sollen, dass sie lediglich „Gutsverwalter“ und nicht „Gutsherren“ waren/sind.

Die Begründung des Geschäftsführers beziehungsweise des durch Verdi beauftragten Gutachtens, dass die massiven Leistungsabbrüche am Standort Senftenberg durch den Weggang eines Chefarztes induziert sind, kann so nicht haltbar sein. Wirtschaftliche Verwerfungen in dieser Dimension können nicht nur an einer Person beziehungsweise deren Fehlen festgemacht werden. Hier spielen auch die kreditfinanzierten Bauvorhaben in Lauchhammer und Senftenberg, die Konzentration des Managements und der finanziellen Ressourcen auf Randbereiche (Gesundheitsspeicher, FamilienCampus, Jugendhilfe) sowie die Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit ebenfalls eine gewichtige Rolle. Die Stellungnahme des Landrates als Gesellschafter, ergo für die Aufsicht über die kommunalen Unternehmen verantwortlich, dass finanzielle Unterstützung nicht im Sinne der Verwaltungsbehörde sei, erscheint in diesem Zusammenhang nicht hilfreich. Auch wurde bisher noch kein einziger Kommentar zur eigenen Aufsichtspflichtverletzung abgegeben. Gleiches gilt für Teile des Aufsichtsrates, in welchem Vertreter des Landkreises, politischer Parteien, Arbeitnehmervertreter und Privatpersonen vertreten sind. In beiden Gremien wurden sämtliche Entscheidungen, welche finanzielle Auswirkungen hatten und haben und welche zur derzeitigen Situation beigetragen haben, beraten und genehmigt. ( . . . )