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| 17:11 Uhr

Lesermeinung
Absichtlich unfähige Leute eingesetzt?

Zur Treuhand-Anstalt Von Christa Lademann

Herr Hirche spricht von maroder Staatswirtschaft als Grund für den Zusammenbruch der Wirtschaft. Ja, es wurden viele Betriebe staatlich gestützt. Wir hatten ja auch keine Privat-, sondern eine Volkswirtschaft. Das heißt, die ganzen Betriebe gehörten dem Volk. Wo ist das Volksvermögen geblieben, das jedem einzelnen ehemaligen DDR-Bürger zugestanden hätte?

Die Modrow-Regierung beauftragte 1990 die Treuhandanstalt mit der Wahrung des Volkseigentums. Schon das Wort „Treuhand“ sagt – ich übergebe dir etwas zu treuen Händen. Das heißt: hüte es gut, vernichte es nicht. Wie ist man nun umgegangen mit unserem Volksvermögen? ( . . . )

 Ich möchte nur mal über die Abwicklung eines Betriebes berichten. In Strehla stellte ein kleiner Betrieb Keramikerzeugnisse her. In kleinen Brennöfen wurde die Tagesproduktion gebrannt. Ein Herr Dr. M. übernahm den Betrieb. Als erstes ließ er einen Brennofen für eine Million DM bauen, der nie benutzt wurde. Ware wurde unter Herstellungspreis verkauft. Er ließ Nachttöpfe mit dem Konterfei des Bayernkönigs herstellen – wie hirnrissig. Ein Hotel wurde ebenfalls auf dem Gelände gebaut. Das musste ja schieflaufen. Innerhalb kurzer Zeit hatte er einen gut gehenden Betrieb – die Ware ging zum größten Teil ins Ausland – runtergewirtschaftet.

Dann übernahm er in Weißwasser einen Glasbetrieb. Hier das gleiche. Man könnte meinen, die Treuhand hat absichtlich unfähige Leute eingesetzt. So wurde die DDR-Wirtschaft, die volkseigenen Betriebe, schnell abgewickelt. Man hat nicht an die Menschen gedacht, die sich diesen, ihren Betrieben zugehörig fühlten. Die nicht verstanden, wa­rum alles den Bach runter gehen musste. ( . . . )

Und nun kommt ein Herr Hirte, eingesetzt von der Regierung als Ostbeauftragter, und ist der Meinung, eine Wahrheitskommission müsse nicht sein. Am besten alles unter den Tisch kehren und Friede, Freude, Eierkuchen. Nein, Herr Hirte, so geht das nicht. Wir ehemaligen DDR-Bürger wollen rehabilitiert werden. So ein Kahlschlag hätte nicht sein dürfen. Dafür muss jemand verantwortlich sein. ( . . . )