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| 18:55 Uhr

Cottbus
Wie viel ist die Arbeitskraft wert?

Zum Tarifkonflikt am CTK schreibt Uwe Vogt aus Gießmannsdorf

Katarina Barley als Europakandidatin der SPD sagt: „Wir brauchen ein soziales Europa (…).“ Und: „Wir wollen, dass alle Bürger und Bürgerinnen von ihrem Lohn leben können.“ „Wir wollen ein soziales Europa, (…) in dem sie ihre Beschäftigten überall fair bezahlen und ihre Beschäftigten mitbestimmen lassen.“ Auch Cottbus ist Europa, scheinbar aber noch nicht bei den Verantwortlichen des CTK, beim Aufsichtsrat und den Stadtverordneten angekommen. Anders kann man die Posse zum Tarifkonflikt mit der Thiem Service GmbH nicht werten.

Es sind die schlecht bezahlten Mitarbeiterinnen, die größtenteils mit Teilzeitverträgen im Schichtdienst tätig sind, um die es geht. Das sieht die Arbeitgeberseite nicht so und droht mit Nichtverlängerung der befristeten Arbeitsverträge bei weiteren Streikmaßnahmen – heißt: Wer weiter streikt, muss gehen! Leben wir in einer Bananenrepublik? Es gibt ein Streikrecht in Deutschland, und Nötigung gehört definitiv nicht dazu.

Barleys Partei schlägt eine Grundrente vor, damit Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, aber schlecht entlohnt wurden, auch menschenwürdig ihren Lebensabend verbringen können. Die Partei von Herrn Kelch lehnt die Vorschläge zur Grundrente ab. Das Thema könnten wir uns ersparen, wenn die Leute ordentlich bezahlt würden. Das CTK-Beispiel zeigt, das die Stadt als hundertprozentiger Gesellschafter, der Aufsichtsrat und wohl auch die Abgeordneten das nicht begriffen haben.

Im wahren Leben scheint die „Ware Arbeitskraft“ der Mitarbeiterinnen der Thiem Service GmbH wohl nicht so viel wert zu sein. Das Jahr 2019 ist Wahljahr. Ich empfehle den Mitarbeiterinnen, mal in die Parteibüros der Stadt zu gehen und zu fragen, wie denn die Kandidaten zu diesem Thema stehen.