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| 18:31 Uhr

Leserbrief
Entsetzt über Pläne für „Blaues Wunder“

Senftenberg/Meuro. Die angekündigte Verschrottung des als Landmarke weithin sichtbaren Schaufelradbaggers Nr. 1473 bei Meuro (LR vom 12./13. Januar) sorgt bei Lesern für Widerspruch. Von Norbert Löhnert, Kostebrau

Bereits beim Lesen der Überschrift „Letzte Reise für das Blaue Wunder vom Lausitzring“ war ich entsetzt von dem geplanten Vorhaben. Ich bin entsetzt, wie schnell Abgeordnete und Politiker sich von dieser noch weithin sichtbaren Landmarke trennen wollen. Wollen denn das die Bürger auch?
Was sind denn die wirklichen Beweggründe für diese Planungen, die offenbar schon recht weit fortgeschritten sind? Man könnte den Eindruck haben, es ist alles schon klar und es fehlt nur noch die Zustimmung Senftenbergs. Will man etwa an der Verschrottung noch verdienen? Und wer will das?

Seit der Stilllegung des Baggers im Jahr 2003 sind bis heute 16 Jahre vergangen. War das damalige Nutzungskonzept nur für 16 Jahre ausgelegt?Wirft man so schnell Denkmalprojekte der Bergbau- und Maschinenbautraditionen über den Haufen? Mit derart kurzsichtigen und sprunghaften Entscheidungen verlieren Politiker ihre Glaubwürdigkeit. Gefördert wird so die Politikverdrossenheit der Bevölkerung. Für die Zeit nach dem von der Politik überstürzt vorangetriebenen Kohleausstieg gibt es bisher noch keine verlässlichen Anschlussprojekte, die die Arbeitskräfte aus dem Braunkohlebergbau weiter beschäftigen!

Noch einige Bemerkungen zur Lebensdauer des Schaufelradbaggers:

Die Praxis belegt, dass Tagebaugroßgeräte sogar nach Abbau und Wiederaufbau ohne besondere Instandhaltung bis zu 80 Jahre alt werden können. Mit entsprechenden Sicherungsmaßnahmen natürlich länger.

So wurde 1932 im Tagebau Bergwitz, in der Dübener Heide, die Förderbrücke „Roberts Hoffnung“ gebaut und im Lauchhammerwerk, in Betrieb genommen. Als Reparationsleistung wurde sie nach Kriegsende im genannten Tagebau demontiert, wurde in Morosivka/Bandurivka/ Alexandria in der Ukraine um 1947 wieder aufgebaut und in Betrieb genommen. Über den Google-Dienst Maps war diese Förderbrücke noch im Jahr 2011 gut auf den Fahrgleisen für jedermann erkennbar.

Was diese Förderbrücke nach Demontage und Wiedermontage geschafft hat, warum soll es nicht dieser Bagger auch schaffen? Er hat ja erst 38 Jahre aktiv gedient, wird nun 54 Jahre alt und muss auch nicht durch Publikum begehbar sein. Man muss nur eine Landmarke erhalten wollen!

Zum Farbanstrich: Für eine Landmarke ist es unbedeutend, ob sich der Farbton ändert, die Farbe gar abblättert und schließlich Rostbraun wird. Der rostige Nagel trägt auch keinen Farbanstrich. Wichtig ist lediglich eine dauerhafte Sicherung der Standsicherheit und Verwehrung der Zugangsmöglichkeit.