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| 15:50 Uhr

Lesermeinung
Leben ist mehr als nackte Zahlen

Zu dem LR-Artikel „Schlusslicht-Platz erfordert dringend Selbstkritik“ vom 1. März 2018 schreibt Rosita Löser aus Kolochau:

Ja, ich stimme zum einen dem Ranking zu, denn solche Zahlen sind eine Standortbestimmung und müssen aufrütteln! Ich stimme auch Frau Schülzke (fraktionslose Landtagsabgeordnete und Landratskandidatin für Elbe-Elster, d.Red.) mit der Auflistung  der Defizite in unserem Kreis  zu, die zum Wegzug vieler junger Leute führen, und freue mich sehr darüber, dass trotz alledem die Mühen der „Rückkehrerinitiativen“ erste Früchte tragen. Zu allererst stehen doch das Land und der Landkreis hier in der Pflicht. Ich konnte es nicht fassen, als ich las, dass zum  leidigen Thema Funklöcher und schnellem Internet von unserem Kreis die geringste Summe beantragt wurde.

Ich sehe an den Wochenenden unseren Berliner Kindern  wegen dem  Internet-Schneckentempo die Haare zu Berge  stehen. Das inspiriert niemanden, aufs Land zu ziehen oder über Home Office auch nur nachzudenken.

Und doch sind unsere jungen Leute mit ihren Kindern umweltbewusster als wir denken. Sie schätzen  die frische Luft auf dem Lande, die Weiten der Wälder und Wiesen, gesundes Obst und Gemüse direkt aus dem Garten und unser heimatliches Zusammenleben.

 Die lohnmäßigen Abstriche können durch mehr Lebensqualität ausgeglichen werden. Auch das sogenannte „Hinterland“, sprich Eltern und Großeltern, ist eine Bereicherung und Hilfe für junge Familien zu ihrer Berufstätigkeit.

Das Leben in der Welt ist rauer und rasanter geworden, die Anforderungen steigen und der Existenzkampf ist oft unvermeidbar. Auch darum rücken Natur und  Rückzugsorte, enge Freunde und Vertrautheiten als Ausgleich mehr in den Fokus unseres Lebens.

In meinem Heimatort Kolochau werden in Kürze sechs neue Eigenheime und ein moderner Kindergarten entstehen. Bei uns lässt es sich gut leben. Es gab schon immer ein tolles Miteinander von Jung und Alt. Dank der neuen Ideen und vor allem der Realisierung gibt es das ganze Jahr über Aktivitäten, die begeistern und dem dörflichen Zusammenleben dienlich sind. Zu diesen Höhepunkten sind immer alle wieder vereint und die Einwohnerzahl wird beträchtlich angehoben.

Unser Enkel stellte bei einem Spaziergang hinter den Gärten fest: „Oma, hör mal, die Elefanten trörö, trörö!“ Wie soll ein Großstadtkind auch wissen, dass Kreissägen solche Elefantentöne von sich geben?

Als Fazit möchte ich unseren Politikern ans Herz legen: Die größte Förderung nur in den Speckgürtel zu stecken, ist  ungerecht! 70 Prozent der Bundesbürger leben auf dem Land. Wir zahlen Steuern und haben ein Recht darauf, dass  gerade unserer Infrastruktur dies wieder zu Gute kommt. Dann sind auch die Anreize für neue Arbeitsplätze wieder da.

Uns kann man nicht einfach abschreiben. Wir sind keine Hinterwäldler, wir arbeiten fleißig, gestalten selbst beziehungsweise nutzen vielfältige kulturelle Möglichkeiten, leben solidarisch miteinander und sind gern freiwillig für unsere Mitmenschen und Wohnorte tätig.