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| 19:37 Uhr

Lesermeinung
Landnutzung sorgt für Artensterben

Zum Insektenschutzprogramm der Bundesregierung (LR, 5. September, Seite 8) Von Helmut Donath

Heute gibt es in Europa 421 Millionen Vögel weniger als noch vor 30 Jahren. In diesem Zeitraum ging die Biomasse von Fluginsekten allein in deutschen Naturschutzgebieten um 75 Prozent zurück. Wie groß der Verlust in der ungeschützten Landschaft ist, können wir nur ahnen.

Eigene Untersuchungen an Hummeln ergaben einen Verlust von 80 Prozent! Da weckt es Hoffnungen, wenn die Bundesregierung endlich mit einem Insektenschutzprogramm gegensteuern will. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Der Widerstand von Chemie- und Agrarindustrie lässt befürchten, dass die positiven Ansätze wie bisher weiter verwässert oder gar ins Gegenteil verkehrt werden.

Die Lesermeinung von Herrn Gresch (RUNDSCHAU vom 10. September, Seite 8) zeigt das recht deutlich. Wer die industrielle Landwirtschaft unter Missachtung wissenschaftlicher Erkenntnisse als „nachhaltig“ bezeichnet, hat entweder keine Ahnung oder er ist ein gegen unsere Zukunftssicherung argumentierender Ignorant. Frauenfeindliche Äußerungen ersetzen dabei erst recht keine Argumente!

Alle seriösen Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass die Art und Weise der Landnutzung die Hauptursache für das größte Artensterben seit 65 Millionen Jahren ist. Im Zentrum großer Ackerflächen leben heute weniger Arten als in der Wüste. Schuld haben nicht die Landwirte, sondern ein Agrarwirtschaftssystem, das sie zu Opfern und Tätern zugleich macht. Nur wenn wir daran etwas ändern, wird es auch wieder summen und brummen in der Landschaft.

Da inzwischen die Mehrzahl der Landwirte durch den sich zur Katastrophe verschärfenden Klimawandel zum Umdenken gezwungen ist, sollte die Krise als Chance zu einer Wende zum Besseren begriffen werden. Landnutzung ist nur mit der Natur und nicht gegen sie zukunftsfähig.

Ohne biologische Vielfalt – und das schließt ausdrücklich die Insekten mit ein – ist unser Überleben nicht möglich.