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Krisenmanagement von VW in der Kritik

Lesermeinung. Lothar Treder-Schmidt aus Luckau schreibt zum VW-"Erdgas"-Skandal:

In der Presse wurde relativ knapp berichtet, dass es beim Erdgastanken zu einem schrecklichen Unfall gekommen sei und dass deswegen der Tankstellenverband zur Sperrung der Erdgaszapfsäulen aufgerufen habe - was seitdem auch geschah. Den Berichten fehlen einige entscheidende und hochbrisante Details. Denn die Erdgaskatastrophe ist zum einen eine exklusive des VW-Konzerns und von dessen Fahrzeugen aus bestimmten Jahrgängen, von 2006-2010: Bei allen diesen Fahrzeugen sind Erdgastanks eingebaut, bei denen Mängel vorliegen, die durchrostungsgefährdet sind und die deswegen vom Konzern nachträglich (kostenfrei) ersetzt werden müssen. Nun gibt es Mängel und Rückrufaktionen immer wieder im Autobau, auch bei anderen Herstellern waren das manchmal hochgefährliche Mängel. Zum Skandal werden die Sachverhalte für VW aber, weil der Konzern seit mehr als einem Jahr bereits von den Mängeln und Gefahren an den Tanks wusste, sich aber vor seiner Rückrufpflicht bis zum Juli dieses Jahres wegduckte - bis zur Katastrophe. Wenn VW-Touran-, Caddy, Passat-Besitzern, bei denen die eingebauten Gastanks zur TÜV-Abnahme fällig waren und die dabei scheiterten, sich empört an VW wandten, baute der Konzern neue, einwandfreie Tanks ein. Wer aber nichts davon wusste, fuhr mit diesen "Bomben" ahnungslos weiter.

VW hielt einen Rückruf bis zum Sommer dieses Jahres nicht für nötig - mit schwersten Verletzungsfolgen. Glücklich wohl, wer in einem Land wie den USA wohnt, wo eine Regierung sich die Trickser und Täuscher der Automobilindustrie mit Härte zur Brust nimmt und wo der geschädigte Käufer auf Entschädigung hoffen kann. Bei uns dagegen lässt sich der Verkehrsminister nur mit großer Mühe zum Jagen tragen, um dann gegenüber VW mal ganz streng "Du-Du" zu machen. Und der Bürger: Schadensersatzklagen gegen einen Konzern lassen weder auf viel Erfolg hoffen, das Kostenrisiko bleibt untragbar und die zu erwartenden Konsequenzen werden dem Konzern ohnehin nicht wehtun, geht es doch auch um Arbeitsplätze… Die Boni der Manager des VW-Konzerns, die ja immer schwerer an ihrer Verantwortung tragen (sollten), blieben übrigens auch in diesem Jahr gänzlich ungekürzt.