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| 18:18 Uhr

Was war in Cottbus los?
Die verdiente Regierung?

Kommunalwahl 2019

Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient, schrieb Joseph Marie de Maistre, ein französischer Schriftsteller und Diplomat in einem Brief vom 15.VIII.1811.

Bekommt jedes Volk die Regierung, die es verdient, oder verdient sich ein Volk seine Regierung? Diese Frage lässt mich seit gestern nicht los. Ich habe Sonntagabend in einer Parteizentrale die Ergebnisse der Kommunalwahl 2019 aufgenommen, die Gesichter und Gemüter der Anwesenden verfolgt und mich gefragt, was war da in Cottbus los?

Ich glaube, in jeder anderen Zentrale oder Gaststätte der demokratischen Parteien dieser Stadt hätte ich Gleiches erlebt, mit der Ausnahme eines griechischen Restaurants im Zentrum der Stadt. Dort wurde überschwänglich gejubelt. Zu recht?

Mir fällt zu solchen Gelegenheiten immer Bertolt Brecht ein, der nach dem Gedicht Die Lösung 1953 textete: „Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes“?

Haben denn die beiden großen Volksparteien wirklich das Vertrauen des Souveräns eingebüßt? Oder wurden Inhalte gesetzt, die der Wähler nicht unterstützen wollte? Vielleicht ist das alles nur ein großer Protest gegen das Establishment, denn eine große Volkspartei gewann unerwartet bei allen Wahlen am Sonntag.

Bekommen wir in unserer Stadt jetzt die „Stadtregierung“, die wir verdienen? Und die, wer auch immer gewollt hat? Alle Cottbuserinnen und Cottbuser werden es spüren, zu spüren bekommen, wenn der Lackmustest für die „gewollte Mehrheit“ im politischen Geschäft erfolgen wird. Niemand soll dann sagen, das habe ich nicht gewollt. Der Souverän hat entschieden, abgestraft und muss nun mit dem Ergebnis leben.

Thomas Kornek, Cottbus