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| 20:25 Uhr

Klinikum Niederlausitz: Stellungnahme von ehemaligem Arzt
Radikale Änderungen nötig

Einstiger Chefarzt äußerst sich zu Klinikum Niederlausitz.

Ich habe als ehemaliger Chefarzt des Klinikums Niederlausitz lange gezögert, eine öffentliche Stellungnahme abzugeben.

Einerseits hatte ich über 20 Jahre durchaus gute Arbeitsbedingungen und wollte nicht als Nestbeschmutzer dastehen. Andererseits haben mich Stellungnahmen von Verantwortlichen, vor allem der Klinikum-Geschäftsführung und auch die Medienberichte geärgert, weil die wahren Probleme nicht angesprochen wurden.

Der mutige Beitrag von Christian Raum in der RUNDSCHAU vom 9. August 2019 („Pflichtverletzung von vielen Seiten“) hat mich nun veranlasst, auch meine Meinung zu äußern. Ich stimme dem Beitrag vollständig zu! Herr Raum hat mir aus dem Herzen gesprochen. Es stimmt, dass im Klinikum hochengagierte und ausgezeichnet qualifizierte Mitarbeiter eine wertvolle Arbeit leisten.

Es stimmt auch die Bewertung der Geschäftsführung, die mit „Selbstüberschätzung“ nach „Gutsherrenart“ für das finanzielle Dilemma verantwortlich ist.

Die Entwicklung war langfristig absehbar und ist nicht nur auf den Weggang von Chefärzten und Fachärzten zurückzuführen. Herr Raum hat die Gründe präzise beschrieben.

Aus meiner Sicht spielt besonders die Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit mit unrealistischen Erlös-Erwartungen eine große Rolle. Bei dem Verlust von qualifizierten Ärzten liegt ja auch die Frage nahe, warum sie dem Klinikum den Rücken gekehrt haben.

Einige wurden regelrecht weggemobbt, weil sie mit ihren konstruktiven Anliegen auf Ablehnung der Geschäftsführung stießen. Andere wurden auf Kosten anderer Fachabteilungen gefördert, weil sie hohe Erlöse erbringen sollten – um dann vor die Tür gesetzt zu werden.

Mir liegt der Fortbestand des Klinikums im Interesse der Patienten und der Mitarbeiter durchaus am Herzen. Dies geht aber nur mit einer radikalen Veränderung der Leitungsstrukturen. Die Heilung des Klinikums ist nur mit einer guten Mischung von sozialer Empathie und betriebswirtschaftlichem Sachverstand möglich.