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| 19:03 Uhr

Lösungswege in den Raum gestellt
Mit großflächigem Beiß-Reflex

Kevin Kühnert und der neue Sozialismus

Es ist schon befremdlich, wie Parteien und Personen auf das Interview von Kevin Kühnert reagieren. Häme und Unrat wird über diesen mutigen und klugen Mann ausgeschüttet. Was ist geschehen? Der Vorsitzende der Jugendorganisation der SPD hat sich darin zur gesellschaftlichen Situation in Deutschland geäußert und mögliche mittel- und langfristige Lösungswege in den Raum gestellt und das strategische Ziel der SPD seit dem Godesberger Programm, den „Demokratischen Sozialismus“, das heißt, eine demokratische und sozial gerechte Gesellschaft, wieder in das öffentliche Bewusstsein gerufen.

Für aktuelle Probleme wie Wohnungsnot, zunehmend prekäre Arbeitsverhältnisse in allen Bereichen der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltungen, hemmungslose und unsoziale Profitmaximierung, die mit einer sozialen Marktwirtschaft nichts zu tun haben, hat Kühnert „Visionen“ genannte Vorschläge gemacht. In dem Zusammenhang stellt er Vergesellschaftungsmodelle in den Raum, die auch im Grundgesetz verankert sind. Und dann hat er noch gewagt, das Wort „Sozialismus“ in den Raum zu stellen – ein Begriff, der sofort in den Kontext der DDR gestellt wird und einen großflächigen Beißreflex ausgelöst hat. Für alle, die es noch nicht wissen: die DDR war so weit vom demokratischen Sozialismus entfernt wie die Erde vom Mars, vielleicht noch sehr viel weiter.

Matthias Baxmann, Massen-Niederlausitz