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| 17:41 Uhr

Lesermeinung
Kein Gradmesser für die Zukunft

Kohle, Klima, Alternativen

Zur Lesermeinung „Betonkopf rügt ‚Beton-Ideologie‘“ (LR, 13. April): Herr Seifert spricht mir aus dem Herzen. Zu diesem hochbrisanten Thema erlaube ich mir einige ergänzende Bemerkungen, die sich mir als Mitglied der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) eigentlich verbieten. (...) Deutschland ist auf dem besten Wege, den Anschluss an den wissenschaftlich-technischen Fortschritt zu verschlafen, denn bereits vor Ende März wurde einer Pressemeldung zufolge so viel CO2 ausgestoßen, wie bis Ende des ganzen Jahres zulässig gewesen wäre. Auf der anderen Seite wird immer von der Einhaltung der Klimaschutzziele gesprochen, aber jene Zielsetzung bis 2020 wurde leichtfertig aufgekündigt. Den Ausstoß von Stickoxiden, den Landwirtschaft und Autoindustrie verursacht, werden wir als IG BCE nicht ändern können, für den der Kohleindustrie sollten wir uns aber verstärkt einsetzen. Sicher, gut bezahlte Arbeitsplätze sind in unserer Region rar und darum besonders gefragt und unerlässlich, soll die Region nicht zu einem Armenhaus verkommen. Sich deswegen aber noch auf lange Sicht an der Förderung unseres „schwarzen Goldes“ festzuklammern, auch wenn Kohlestrom bedarfsgerecht bereitgestellt werden kann, darf kein Gradmesser für die Zukunft sein. Der Klimawandel mit all seinen schädlichen Folgen für Mensch und Natur darf nicht weiterhin bedenkenlos in Kauf genommen werden. Hier ist ein noch rascheres Umdenken in den Schaltzentralen der Macht, aber auch in den Führungsgremien der IG BCE, vonnöten. Ansonsten werden uns unsere Nachkommen eines Tages dafür verdammen. Wichtig ist zunächst ein verbindliches Kohleausstiegsdatum.

(...) Unabhängig vom Klimawandel geht es uns zwar gut, aber schon heute, um nur zwei Beispiele zu nennen, leiden viele Insulaner Mikronesiens an seinen Folgen, weil der Meeresspiegel steigt; Tiere werden aggressiv, indem sie vorzeitig aus dem Winterschlaf erwachen und dann einfach nichts zu fressen finden, weil die Natur noch nichts zu bieten hat. Als Gewerkschafter können wir nicht wollen, dass unser Wohlstand weiter auf dem Rücken armer Menschen und der Natur in dieser Welt ausgetragen wird. Deshalb denke ich, muss eine Wende, gerade auch im Denken einer mächtigen Elite, nicht nur angemahnt werden, es ist auch verstärkt in eine zukunftsorientierte und umweltschonende Forschung im Interesse von Mensch und Natur zu investieren.

Einen Weg zur Erreichung eines lebenswerten Ziels in unserer Region sehe ich insbesondere im Ausbau der mittelständischen Industrie, denn die Möglichkeit einer Neuansiedlung durch Großindustrie, wie es die Kohle nun mal über anderthalb Jahrhunderte war, erachte ich als illusorisch. Andererseits sehe ich auch im Bereich der wiederverwendbaren Energiequellen gut bezahlte und vor allem zukunftsorientierte Arbeitsplätze.

Lothar Meißner
Weißwasser