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| 18:58 Uhr

Lesermeinung
Gruppe unter Generalverdacht

Jung gegen Alt – wer ist gefährlicher am Steuer? Hans-Joachim Nemitz

Senioren als Autofahrer, ein Thema, das mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder in den Medien auftaucht. Unbestritten ist, dass im Alter vieles nicht mehr so läuft wie in jungen Jahren. Aber etliches, was in den Medien kundgetan wird, auch in der RUNDSCHAU, scheint mir gegen Senioren gerichtet.

Ein Beispiel. Da liest man auf einer LR-Titelseite in großen Lettern: Gefährlich – Senioren am Steuer.

Wird da nicht gleich eine millionenstarke Gruppe unter Generalverdacht gestellt?

Normal geworden scheint mir auch, dass bei von Senioren verursachten Unfällen das Alter schon in der Überschriftzeile des Berichtes angegeben wird, bei jüngeren Verursachern dagegen meist irgendwo im Text. Woher weiß man eigentlich schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, wer der Verursacher war?

Das Alter kann nicht alleine Gradmesser solcher Betrachtungen sein. Vorsorgeuntersuchungen könnten altersbedingte Gefahren erkennen lassen, allerdings sollten sie den Älteren keine zusätzlichen Bürden finanzieller Art auferlegen. Aber gibt es nur diese eine, immer wieder herangezogene Möglichkeit?

Ich könnte mir vorstellen, dass Senioren, die ihren Führerschein freiwillig abgeben, lebenslang freie Fahrt – oder stark ermäßigte – für alle öffentlichen Verkehrsmittel bekommen. Aus meiner Sicht wäre das nicht nur ein effektiver Beitrag zur Sicherheit, sondern auch zum Umweltschutz durch die Reduzierung der zugelassenen Fahrzeuge auf unseren Straßen. Dass die Anbindung durch den öffentlichen Personennahverkehr vielerorts noch mangelhaft ist, könnte dadurch stärker in den Fokus der Politik kommen.