| 16:32 Uhr

Leserpost
Ist der Naturschutz wirklich an allen Problemen schuld?

Meinung Zum Beitrag „Leiden Lausitzer Störche unter Naturschutz?“, LR vom 18. November, Seite 14

Folgt man dem Rundumschlag des Herrn Schwarz, so wäre ja der Naturschutz an fast allen Problemen  schuld, zumindest der „seit 27 Jahren überbordende Naturschutz in arroganter Art“. Wer genau damit gemeint ist, bleibt offen.

Zum Naturschutz gehören aber sehr unterschiedliche Institutionen und Personen, die sich nicht alle unter einer Adresse vereinen lassen. Das reicht von der UNESCO bis zur unteren Naturschutzbehörde, vom internationalen Naturschutzverband bis zum lokalen Naturschutzverein, von der  privaten Naturschutzstiftung bis zum unorganisierten Naturschützer. Die sind nicht immer zu allen Fragen der gleichen Meinung, aber sie bringen sich ein, um die Biosphäre der Erde in ihrer genetischen Vielfalt für die Zukunft zu erhalten. Sie sind aber, wie jeder andere auch, an die geltenden Gesetze gebunden, die wiederum von Politikern beschlossen worden sind.

Dass wir gegenwärtig gewaltige Defizite in der Bewahrung der biologischen Vielfalt beklagen müssen, liegt vor allem daran, dass sich die Erkenntnisse der Wissenschaft Ökologie, die für den Naturschutz die theoretischen Grundlagen liefert, nur zu einem bescheidenen Teil in den Gesetzen  und Verordnungen widerspiegeln.  Bei der Gesetzgebung bringen sich Politiker und Lobbyisten ein, die sich häufig wenig für Ökologie interessieren. Naturgesetze lassen sich aber bekanntlich weder durch Regierungen noch Konzerne außer Kraft setzen.

Dass der Rückgang des Weißstorchs vorwiegend  durch das Wiesenbrüterschutzprogramm verursacht wird, kann nicht stimmen. Der Rückgang findet in Regionen, wo es solche Einschränkungen der Bewirtschaftung  gar nicht gibt, ebenso statt. Oft sind die Probleme noch größer. Der Spreewald hat eine besondere Verantwortung dafür, die letzten Reste der einst für unser Land charakteristischen Fauna von Wiesenbrütern zu schützen. Viele Besucher kommen ja gerade deshalb ins Biosphärenreservat.

 Der Fischotter konnte in der Roten Liste Deutschlands von „vom Aussterben bedroht“ auf „gefährdet“ zurückgestuft werden. Das ist ein Erfolg von Naturschutz, aber noch lange kein Grund ihn für vogelfrei zu erklären. Ein Angler  ist doch wohl an einem natürlichen und gesunden Fischbestand interessiert. Dafür sorgt im Naturhaushalt der Otter, indem er schwache und kranke Fische rechtzeitig aus dem Gewässer holt.

Die sonstigen diskutierten Entwicklungen haben ursächlich mit dem Naturschutz wenig bis nichts tun. Ob Klimawandel (Beispiel Silberreiher), Kohleabbau (Beispiel Verockerung), Faunenverfälschung (Beispiele Mink, Waschbär) oder Strukturwandel (Beispiel kleinteilige Nutzung im Spreewald): Das sind alles Entwicklungen, die tatsächlich der Natur schaden, aber die Schuld beim „Naturschutz“ zu suchen, wie es der Beitrag suggeriert, entbehrt jeglicher Grundlage.