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| 17:57 Uhr

„Informationspolitik als Kriegsführung?"
„Nachricht“ ist nicht „Meinung“

„Informationspolitik als Kriegsführung?“ LR 4.2.

Dämonisieren, sanktionieren, ignorieren, statt kommunizieren – das ist bezeichnend im Umgang mit Russland. Doch wer ständig als „Bösewicht“ verprügelt wird, versucht sich zu wehren. Mediale Attacken auf den Gegner, das Wiederholen vorgefertigter Meinungen, Behauptungen anstatt Beweise... – das ist auch bei uns gang und gäbe. Hybride, das heißt verdeckte Kriegsführung, ist der Krieg der Worte. Und dieser Methode bedient man sich in allen Machtzentralen der Welt. Zum Informationskrieg gehören Klischees. Sie sind Vereinfachungen und Verkürzungen von überkommenen abwertenden Vorstellungen. Mit ihrer Hilfe sind schon oft Kriege angezettelt worden. „Russland, die ewige imaginäre Bedrohung aus dem Osten“ ist ein solches Klischee. Und Giftmischer, Hacker, Aggressoren sind Russen allemal, wer käme sonst infrage?

Zwischen Nachricht und Meinung wird auch hierzulande nicht konsequent getrennt. In der Systemauseinandersetzung hat die Arroganz der Sieger weitere erniedrigende Wortschöpfungen hervorgebracht: Russland ist Möchtegernimperium, Spaltpilz der EU, Putin ewiger Geheimdienstler, Kremlstratege, Schlitzohr, dem nicht über den Weg zu trauen ist. Die Gaspipeline Nord Stream II mache Europa von Russland abhängig, ist ebenso eine erfundene Behauptung. Russlands Gaslieferungen nach Europa sind von jeher ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Neben militärischer ist rhetorische Abrüstung auf allen Seiten dringend geboten.