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Immer nur die halbe Wahrheit zu Reparationen

Günter Bienst aus Cottbus schreibt zu "Berlin lehnt Reparationszahlungen ab" (LR vom 12. März):

Hier wirft der Autor die Frage auf, "welche Reparationen an die einstigen Kriegsgegner Deutschland bisher geleistet hat". Seine Interpretationen sind historisch unrichtig und führen am Kern des Problems vorbei. So verschweigt auch er, wie andere Politiker des Westens, dass Reparationsleistungen und -zahlungen für den Hitlerkrieg an die Sowjetunion nahezu ausschließlich durch Ostdeutschland bzw. die damalige DDR erbracht wurden, und zwar letztlich für das gesamte deutsche Volk! Der Autor Klaus Blessing formulierte es so: "Das Deutsche Reich hat den Krieg geführt - die Rechnung dafür aber hat die DDR zahlen müssen. Und das, obgleich nicht sie, sondern die BRD sich zum Rechtsnachfolger des untergegangenen Reiches erklärte." (. . .) Eine von der Bundesregierung eingesetzte Gutachterkommission unter Leitung des Berliner Historikers Prof. Dr. Peters ermittelte 1989/90, dass jeder DDR-Bürger auf Preisbasis 1953 16 124 DM Reparationsleistungen erbrachte, jeder BRD-Bürger hingegen nur 126 DM. Im Vergleich sind das weniger als ein Prozent. Nach den Berechnungen von Professor Peters ergab sich bis 1989, mit Zinsen und bei aktualisierten Preisen, eine Schuld des Westens gegenüber dem Osten von 727,1 Milliarden DM. Bei allen politischen und wirtschaftspolitischen Analysen und Bewertungen werden diese Tatsachen verschwiegen. Durch die Verweigerung von Reparationszahlungen der BRD, unterstützt von den Westmächten, an die Sowjetunion, entgegen den Festlegungen des Potsdamer Abkommens 1945, wurde der Volkswirtschaft der DDR und ihren Bürgern ein enormer, irreparabler Schaden zugefügt. Darin lag wohl auch der Sinn der Verweigerung. Parallel dazu wurde mit hohem Propagandaaufwand im Westen das sogenannte Wirtschaftswunder aus der Taufe gehoben. (. . .) Es verwundert daher nicht, dass es den Menschen im Osten durch dieses Unrecht dauerhaft schlechter gehen musste als der Bevölkerung im Westen. Über diese Zusammenhänge berichten die Medien aber nichts, sondern führen alles auf Mangel- und Misswirtschaft der DDR zurück.

Artikel zum Kommentar: Berlin lehnt Reparationszahlungen ab