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| 17:36 Uhr

Lesermeinung
Gravierende Unkenntnis

Wasserstoff statt Kohle?

Zur Lesermeinung „Wasserstoff statt Lausitzer Kohle – Energie der Zukunft“ (LR, 30. April/1. Mai): Alle circa 25 000 direkt und indirekt mit der Braunkohleverstromung Beschäftigten der Lausitz müssten eigentlich „auf die Barrikaden gehen“, da Herr Adam folgenden Schwachsinn verkündete: „...von der fossilen Kette ,Tagebau-Kraftwerk-Strom‘ mit Wirkungsgrad von circa zehn Prozent...“. Damit wird deren Tätigkeit als energetisch geringwertig herabgewürdigt. Tatsächlich beträgt der elektrische Wirkungsgrad auch mit Einbeziehung der Kohleförderung etwa 40 Prozent und ist aus thermodynamischen Gründen nur geringfügig steigerbar, was bereits Zehntklässler im Fach Physik lernen.

Mit der Behauptung, dass die Gas­infrastruktur eine Speicherkapazität von circa 200 000 Milliarden kWh hätte und diese eine Stromproduktion von 80 Milliarden kWh zuließe, betreibt Herr Adam ein nach seinen eigenen Worten „wirres Zahlenspiel“, denn in deutschen Poren- und Kavernenspeichern für Erdgas sind nur circa 200 Milliarden kWh verfügbar. Mit seinen Angaben ergäbe sich für Erdgaskraftwerke ein lächerlicher Wirkungsgrad von 80/200 000 = 0,0004 beziehungsweise 0,04 Prozent (!), der in der Realität jedoch weit über den 40 Prozent der oben genannten Kohlekraftwerke liegt.

Die im Leserbrief ausgedrückte Hoffnung, Wasserstoff könnte die Lausitzer Kohle ersetzen, ist ebenfalls völlig illusorisch. Um die 2017 von den drei größten Lausitzer Kohlekraftwerken gelieferten 48,7 Milliarden kWh Elektroenergie durch Windräder und zwischengespeicherten Wasserstoff (Wirkungsgrad 30 Prozent) zu ersetzen, würden nicht einmal alle deutschen Windkraftanlagen ausreichen.

Die im Leserbrief geäußerten irrealen Wunschvorstellungen zum Gelingen dieser vom Rest der Welt belächelten Energiewende habe ich auch in persönlichen Diskussionen mit Politikern wie Oliver Krischer, Annalena Baerbock, Heide Schinowsky und anderen zur Kenntnis nehmen müssen und vermute, dass hier eine Dyskalkulie bezüglich der Dimensionen der Energieversorgung vorliegt. Arnulf Baring äußerte: „Die öffentliche Verlogenheit hat ein Ausmaß erreicht, das die Behandlung realer Probleme unmöglich macht.“

Wolfgang Rasim
Forst