| 02:37 Uhr

Für mich zählen nicht Parteibücher

Friedrich-Wilhelm Hille aus Großräschen schreibt zum Kommentar "Rechts fehlt was" (LR vom 21. September): Als rechte Themen werden unter anderem Leitkultur, Familienbild, innere Sicherheit, solide Staatsfinanzen genannt.

Voriges Jahr um die Zeit waren das noch konservative Themen - aber so ändert sich eben alles. Und wenn ich Familie mit Frau und Kindern habe, meine eigenen Finanzen so regele, dass ich Hypothekendarlehen zurückzahle und mich weiterhin der deutschen Sprache bediene, ja dann bin ich schon rechtslastig und somit extremismusgefährdet. Danke. (. . .) Ja, ich habe bei der Landtagswahl für die AfD gestimmt. Was sollte ich sonst wählen? CDU steht für Werte - aber welche? Wir schaffen das - wenn die Arbeit andere machen. SPD steht für - ja für was denn noch außer Beliebigkeit? Und die Grünen - jedes neue Auftreten von Frau Künast und Frau Roth macht mir mehr Angst. Die Linke - großes Getöse bei kleiner Verantwortung. Und AfD? Die gibt es ja gar nicht, es gibt nur die rechtspopulistische oder islamfeindliche oder rechtsgerichtete oder fremdenfeindliche oder - jedenfalls immer nur abzulehnende AfD. Es geht aber doch nur um eine Partei, die in allererster Linie sagt: So kann es nicht weitergehen. Deshalb habe ich auch keine Probleme, bei Kommunalwahlen Kandidaten zu wählen, die ich kenne oder denen ich zutraue, etwas zu bewegen. Parteibuch spielt dabei keine Rolle. Aber Bundestagswahl oder Ähnliches? Ein Vierteljahrhundert lang habe ich SPD gewählt, weil ich Willi Brandt und seine Mitstreiter wirklich gut fand. Doch was ist jetzt? Bei den letzten Wahlen habe ich den Wahlomaten im Internet genutzt und was riet er mir? Republikaner wählen. Habe ich mich so verändert? Also mal versucht, durch anderes Ankreuzen bei der SPD zu landen. Es gelang - aber mit den dazu nötigen Thesen konnte ich mich beim besten Willen nicht anfreunden. Wie gesagt - Ihr Kommentar, Herr Kolhoff, hat mich erschüttert. Und er erinnert mich in erschreckender Weise an DDR-Zeiten, man muss nur "Klassenfeind" durch "rechts" ersetzen, hoffentlich endet es nicht auch so.

Zur Not fahre ich mein Auto mit Wundbenzin

Götz Wendt aus Senftenberg schreibt zu: "Ab 2030 ohne Diesel und Benzin" (LR vom 10. Oktober)

Da hat der Herr Prof. Dr. Dudenhöffer völlig recht, dass ab 2030 nur noch E-Autos zugelassen werden könnten. Die Autoindustrie wird das schon packen, dass auf unseren Straßen nur noch Autos fahren, die mit den heutigen nur bedingt vergleichbar sind, das heißt mit eingeschränkten Nutzungswerten. Der Gesetzgeber wird es schon beschließen, wie er uns schon so manchen Unsinn verordnet hat (siehe dilettantische Energiewende, panikartiger Atomausstieg, Fahrverbot für bestimmte Autos in Städten, was kaum Einfluss auf Feinstaub hat, usw.).

Aber eins hat der Herr Professor nicht gesagt: Woher nehmen wir den Strom für die Autos der Zukunft? Die heutigen benötigen circa 30 Prozent unseres Gesamtenergieverbrauchs. Natürlich mit Öko-Strom, werden die grünen Spinner sagen! Wir müssen also mindestens zehnmal mehr Windmühlen aufstellen und Dächer mit Solarmodulen eindecken als heute. Und dann brauchen wir noch einen klugen Kopf, der uns sagt, wie wir den Strom in Säcken oder etwas Ähnlichem abfüllen können, denn die Atommeiler sind dann alle abgeschaltet, und die effektiven Kohlekraftwerke sollten ja möglichst schon gestern plattgemacht werden, die heute zusammen mehr als 50 Prozent unseres Strombedarfs decken. Na dann gute Fahrt ins Jahr 2030. Ich werde meinen Benziner jedenfalls behalten und zur Not mit Wundbenzin aus der Apotheke fahren, wie einst Carl Benz, der Autoerfinder. Ich freue mich schon jetzt auf die vielen autofreien nicht nur Sonntage, denn Sonne und Wind stehen auch 2030 nicht kontinuierlich zur Verfügung.

Das hat nichts zu tun mit Gerechtigkeit

Holger Lauterbach aus Bad Muskau schreibt zu "Amt pfändet in GEZ-Streit jetzt das Konto der alleinerziehenden Mutter" (LR vom 21. Oktober):

Der Ausspruch von Ihnen, Herr Amtsdirektor Guido Müller, "Wir haben diese Maßnahme eingeleitet, weil Steuer- und Abgabengerechtigkeit ein hohes Gut ist", macht mich fassungslos. Jeder Zeitungsleser kann sich ein ganz anderes Bild von der Abgabengerechtigkeit in diesem, unserem Lande machen. Konnte man da nicht (. . .) die Geschichte von dem Fleischfabrikanten lesen, der das Kartellamt mit einem simplen Trick austrickste und sich so einer 128 Millionen Euro Strafe entzogen hat? Herr Amtsdirektor, vielleicht fällt Ihnen eine neue Rechtfertigung, ein anderes hohes Gut, für Ihre Amtshandlungen ein, aber bitte vermeiden Sie das Wort "Gerechtigkeit" dabei.