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| 17:11 Uhr

Lesermeinung
Fremdenhass ist keine Heimatliebe

Vorurteilsfreie Diskussion

(...) Dieser Offene Brief von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der BTU Cottbus-Senf­tenberg und die darin geäußerte Aufforderung an die Cottbuser Zivilgesellschaft, endlich in eine unvoreingenommene und vorurteilsfreie Diskussion zum Thema Flüchtlingszuzug und der damit verbundenen zunehmenden Hetze rechtsextremer Gruppierungen einzutreten, ist mehr als begrüßenswert und längst überfällig. Gruppierungen wie dem Verein „Zukunft Heimat“, den islamophoben Hetzern von Pegida, der Cottbuser Neonazisszene und nicht zuletzt der AfD, die die Straftaten einzelner Flüchtlinge instrumentalisieren, um ihre kruden Theorien von Umvolkung und Islamisierung zu artikulieren, die mit ihrem menschenverachtenden Hass gegen alles Fremde Ängste schüren, ethische Vorurteile hoffähig machen, Andersdenkende als linksgrünversiffte Gutmenschen diffamieren, Journalisten bedrängen und als „Lügenpresse“ verunglimpfen, muss die demokratische Zivilgesellschaft endlich und entschlossen entgegentreten. Es darf nicht einzig und allein Vereinen wie „Cottbus nazifrei“ oder „Cottbuser Aufbruch“ überlassen bleiben, den neurechten Spinnern den Nährboden zu entziehen.

Zu dieser Diskussion, auf der Basis eines humanistischen Weltbildes, sind alle Demokraten und alle Bürger dieser Stadt und dieses Landes aufgefordert, entstandene Probleme zu benennen und diese einer entsprechenden Lösung zuzuführen. (...)

Die Stadt Cottbus, die Verantwortlichen in der Verwaltung, in Schulen und Einrichtungen usw. haben meiner Meinung nach schon viel getan, um die Integration von Flüchtlingen zu ermöglichen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Hier muss aber vonseiten des Landes und des Bundes noch mehr getan werden. Integration ist aber nicht allein eine Frage von Deutschkursen, der Bereitstellung von Sach- und Geldmitteln oder der Unterbringung. Integration kann nur gelingen, und dies muss und kann nur im Interesse aller liegen, wenn die Einheimischen es den Neuankömmlingen ermöglichen, am gesellschaftlichen Leben in Cottbus und in Deutschland teilzuhaben. Ausgrenzungen jeglicher Art, das ständige Gefasel von deutscher Leitkultur, von Anpassung an „unsere“ Werte, der oberlehrerhafte Zeigefinger sind dabei überhaupt nicht zielführend. (...)

Ja, es gibt viele, sehr viele Bürger in diesem Land, die Sorgen haben und die Ängste verspüren. Aber diese Ängste und Sorgen verspüren sie doch nicht erst seit der Flüchtlingskrise 2015. Seine Sorgen und Ängste einzig und allein auf Flüchtlinge zu projizieren und zu glauben, mit deren Verschwinden würden sich alle Sorgen und Ängste in Luft auflösen, und zu glauben, den geistigen Brandstiftern namens Höcke, Bachmann oder auch von „Zukunft Heimat“ ein Ohr leihen zu müssen oder deren Parolen nachzuplappern, um irgendwelche Probleme zu lösen, ist bestenfalls weltfremd. Wer dieses rechtsradikale, rassistische Gedankengut, die menschenfeindlichen Tendenzen negiert, die sich in letzter Zeit breitmachen, diese kleinredet und verharmlost, stellt sich außerhalb unseres demokratischen Gemeinwesens. Er löst damit kein einziges Problem. (...) Rassismus ist kein Patriotismus, Fremdenhass ist keine Heimatliebe !

Frank Heiber
Forst (Lausitz)