ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:58 Uhr

Lesermeinung
Falsche Aussagen zur Ausbildung

Klare gesetzliche Vorgaben

Mit großem Erstaunen habe ich Ihren Artikel „Pflegenotstand erzeugt Frust in der Lausitz“ gelesen. Vor allem bei den Einlassungen der Familie Illing ist mir der Mund offen stehen geblieben. Ich arbeite an der Medizinischen Schule der Carl-Thiem-Klinikum-gGmbH im Fachbereich Altenpflege. Wir haben als Schule viele Kooperationspartner, neben stationären Pflegeeinrichtungen auch ambulante Pflegedienste, die mit uns gemeinsam neue Pflegefachkräfte ausbilden. Das trifft sowohl auf Erstauszubildende als auch auf Umschüler zu. Auch mit der Cottbuser Hauskrankenpflege von Frau Illing bestand bereits ein solcher Kooperationsvertrag. Die Umschülerin hat dann allerdings die Ausbildungseinrichtung gewechselt. (...)

Das Altenpflegegesetz nennt in Paragraf 4 Absatz 3 die Einrichtungen, die Fachkräfte ausbilden dürfen: (...) Die praktische Ausbildung wird in folgenden Einrichtungen vermittelt:

1. in einem Heim im Sinne des § 1 des Heimgesetzes oder in einer stationären Pflegeeinrichtung im Sinne des § 71 Abs. 2 des Elften Buches Sozialgesetzbuch, wenn es sich dabei um eine Einrichtung für alte Menschen handelt, und

2. in einer ambulanten Pflegeeinrichtung im Sinne des § 71 Abs. 1 des Elften Buches Sozialgesetzbuch, wenn deren Tätigkeitsbereich die Pflege alter Menschen einschließt.

Das ist ein Bundesgesetz und unterscheidet nicht nach Brandenburg oder Sachsen. Voraussetzung ist, dass eine Praxisanleiterin mit einer Ausbildung von 200 Stunden von der Einrichtung bereitgestellt wird. Das findet man in der Altenpflege Ausbildungs- und Prüfungsverordnung. Wir bilden in jedem Jahr eine Klasse von Altenpflegeschülern aus, das seit 2010. Da wurde nichts zurückgefahren, wie im Artikel behauptet, im Gegenteil. Neben unserer Altenpflegeschule bildet (...) auch die LWGA in der Ewald-Haase-Straße sowohl Pflegefachkräfte als auch Hilfskräfte aus und bereichert also zusätzlich den Arbeitsmarkt.

Dass die Kapazitäten trotzdem hinten und vorne nicht mehr hinhauen, ist die eine Sache – davon kann jede Einrichtung ein bitteres Lied singen. Berufspolitisch ist da jede Menge zu tun. Aber die Behauptungen, die von Familie Illing im Artikel aufgestellt wurden, sind schlichtweg falsch oder so wenig eindeutig, dass sie selbst für einen Insider wie mich nicht nachvollziehbar sind.

Silvia Butt
Cottbus