ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:35 Uhr

Lesermeinung
Es ging um Märkte und Macht

Treuhandwirken prüfen

Zu „Nein zu einer Wahrheitskommission“ (LR, 11. Juli): Der Ostbeauftragte der Bundesregierung , Christian Hirte (CDU) , hält nichts von einer Wahrheitskommission zur Aufklärung der Machenschaften der Treuhandanstalt. Sein Verhalten und seine Begründungen enttäuschen nicht nur mich, sondern sicher sehr viele ehemalige DDR-Bürger, die das alles hautnah miterlebt und auch davon betroffen waren. Ausverkauf der DDR. Betriebe wurden zum symbolischen Preis von einer D-Mark an die neuen Besitzer verschleudert. Die Auflösung der Fluggesellschaft Interflug, der dubiose Werftenverkauf und die Schmiergeldzahlungen beim Verkauf der Leuna-Raffinerie sind nur einige wenige von sehr vielen Fällen, die die Menschen hier verzweifeln ließen. Ja, Herr Hirte, das war dann auch „eine Etablierung von Oligarchen“, wie Sie es in Ihrer Aussage nicht wahrhaben wollen.

Die DDR wurde ein willkommenes Absatzgebiet für im Westen produzierte Produkte.

Mit der Übernahme der Betriebe wurden natürlich auch erst einmal die weltweit vorhandenen Wirtschaftsbeziehungen übernommen, man brauchte ja Märkte. Was man dann später nicht mehr brauchte, waren die leer geräumten Betriebe. Die Wirtschaft im Westen boomte. Als dann auch im Osten Deutschlands die neuen Privatbetriebe zu produzieren begannen, bescherte dies vielen Kommunen im Westen reichliche Steuergelder. Also nicht der Ort, wo die Produktion stattfand, konnte davon profitieren, sondern das Geld ging an den Firmenstammsitz der Mutter – der lag natürlich fast ausschließlich im Westen der Republik. (...) Für mich ist und war die Treuhand ein Symbol eines brutalen ungezügelten Kapitalismus. DDR und Stasi werden minutiös bearbeitet, Gleiches muss man auch beim Thema Treuhand verlangen.

Hans-Jürgen Gresch
Koßdorf