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| 18:11 Uhr

Leserbrief zur Themenwoche Betrug
„Die Polizei konnte nichts tun“

Zu unserer Themenwoche „Betrug“ schreibt Leserin Heike Britz aus Groß Leuthen.

„Meine Mutter ist 81 Jahre, lebt allein in ihrem Haus, leidet an Schwerhörigkeit und beginnender Demenz. Als Tochter schau ich alle zwei bis drei Tage bei ihr nach dem Rechten. Vor ungefähr  zwei Jahren flatterten ständig neue Strom- und Gasverträge ins Haus, die angeblich meine Mutter telefonisch abgeschlossen hatte. Alle zwei bis drei  Wochen lag wieder ein neuer Brief da. Meine Mutter beteuerte immer wieder, sie hätte keinen Vertrag abgeschlossen.

Es nahm kein Ende. Es kamen sogar Lottoverträge dazu. Sollten wir ihr Telefon abmelden? Wir holten uns Rat bei der Telekom: vielleicht die Rufnummer ändern? Ach nein, das hätte wohl keinen Sinn, nur kurze Zeit, dann wäre wohl auch ihre neue Rufnummer wieder im Umlauf. „Tut uns leid, da kann man auch sonst nichts  machen.“

Eines Tages kam ein Brief per Nachnahme, einzulösen mit 120 Euro. Wir verweigerten die Annahme. Die Adresse war ein Verbraucherzentrum, ein eingetragener Verein mit Sitz in Hamburg. Ich rief dort an. Diese Firma versprach, sie könne die Daten meiner Mutter aus einer Datenbank löschen und somit würde sie keine lästigen Anrufe mehr bekommen. Für diesen Service berechnen sie 120 Euro. Wie kommt man auf diese betrügerische Geschäftsidee?

Im Februar kam der Gipfel. Bei meiner Mutter rief eine fremde Frau mehrmals an, sie solle 8000 Euro von der Bank abholen. Die Frau wurde von Mal zu Mal ärgerlicher, schließlich würde meine Mutter doch das Geld wiederbekommen.

Am Abend rief dann noch ein Mann an, mit der gleichen Masche. Am folgenden Tag meldete ich diesen Vorfall der Polizei. „Könnten sie da nicht etwas machen?“, bat ich. Vielleicht die Telefonleitung anzapfen? „Nein, das können wir nicht tun, schließlich ist ja noch nichts passiert. Machen Sie doch eine Anzeige gegen unbekannt.“ Das taten wir dann auch. Doch nach einigen Wochen wurde das Verfahren eingestellt.

Im Internet machten wir uns kundig, was wir gegen diesen Telefonterror machen könnten. Wir stießen auf ein Telefon mit VIP-Funktion. Nur eingegebene Rufnummern werden durchgestellt, alle anderen werden geblockt.

Nun kehrt endlich Ruhe ein.

Es ist sehr erschreckend, dass Menschen auf die Schwäche der Älteren bauen und sich damit bereichern möchten.“