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| 17:56 Uhr

Holzstapel an den Wegen
Am Willen allein liegt es nicht

Der unbefriedigende Zustand des Waldes

Zum Leserbeitrag vom 27. April „Für Änderungen fehlt der Wille“ von Sebastian Frhr. v. Rotenhan

Im Beitrag vermittelt der Verfasser, dass den Waldbrand- und Wildproblemen in den Wäldern Brandenburgs leicht abgeholfen werden kann, obwohl die Standorte besonders Südbrandenburgs zu den im Nährstoff- und Wasserhaushalt schwächsten Deutschlands gehören. Die weltbekannten Landschaftparks in Muskau oder Cottbus müsse man sich nur ansehen, und damit sei ein Rezept vorhanden. Motto: wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Nun sollte andererseits am Willen der hiesigen Forstleute der letzten 100 Jahre nicht gezweifelt werden. Viele nutzten Revierteile mit ordentlichen Standortverhältnissen und schafften Waldbilder, die ihrer Sehnsucht nach besseren Wäldern entsprachen.

Auf die Idee, parkähnliche Verhältnisse zu schaffen, kamen sie nicht. Schon die Fläche von 1,1 Million Hektar Waldfläche, die verfügbaren Niederschläge, die Notwendigkeit aus dem Wald einen Nutzen zu ziehen und die Wirkungen der letzten Schlachten des Zweiten Weltkrieges, Bergbau und so weiter verlangten große Anstrengungen. Andererseits hat die vergleichsweise geringe Parkfläche einen hohen Aufwand zur Verbesserung des Bodens durch Melioration, Düngung bis hin zum Bodenaustausch und Wasserzu- beziehungsweise -abführung und Beregnung verlangt. Die Betreuungsleistung des Cottbusser Parks ist leicht bei Parkführungen zu erfragen. Daneben bereitet gegenwärtig die Wasserversorgung auch im Park Sorgen.

Übrigens hat Pückler selbst für seine Parks einen hohen Preis gezahlt. Die Standesherrschaft Muskau (500 km²) und der Besitz in Cottbus waren total überschuldet. Die Vorstellung, auf den armen Sandböden bei unter 500 mm/Jahr sinkenden Niederschlägen zu überzeugendem Waldumbau zu kommen, ist eine Illusion mit schlimmen Folgen. Dem Waldbesitzer Hoffnung zu machen, dass sein Wald allein wachsen wird, ist mindestens etwas übertrieben. Wir sprechen hier nicht von 100 Hektar Parkfläche sondern von mehr als 100 000 Hektar in Brandenburg.

(...) Der Gesundheitszustand der Kiefer ist unverändert. Aber jedem Waldbesucher fallen Veränderungen ins Auge. Holzstapel an den Wegen, aufgelichtete Bestände und eingezäunte Flächen mit Eichen- oder Buchen-Pflanzungen sind unübersehbar. (...) Die starke Entnahme von Holz aus den Beständen brachte zunächst Geld in die Kasse, der Nachhaltigkeit nutzte sie nicht. Man wird in den nächsten Jahren auf Erlöse verzichten und mit größerer Anfälligkeit gegenüber Umweltwirkungen rechnen müssen.

Das zweite Problem des Verfassers bezieht sich auf örtlich zweifellos zu hohe Wildbestände. Selbst wenn zu hinterfragen wäre, ob damit alles von allein wächst; hier offenbaren sich gesamtgesellschaftliche Probleme auf dem Lande. Nicht nur der Feuerwehr fehlen auf dem Dorf Leute, auch Jäger sind aus verschiedenen Gründen knapp.  (...)

Dr. Rupp, Dr. Dieter Geisler, Cottbus