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| 19:08 Uhr

Kohleausstieg
Wenn das einer schafft, dann wir

Zu „Denn wer will schon in einer Gegend wohnen ...“

Die RUNDSCHAU fragte am 28. Januar nach Meinungen zum Kohle-Kompromiss. Herr Haustein-Teßmer kommentierte dazu (in Kurzfassung): „Denn wer will schon in einer Gegend wohnen, in der es bloß Wölfe, Batteriefabrik, aufgewertete Tagebaurestlöcher...“

Das ist mir zu kurzsichtig. Ich stamme aus Lauchhammer, bin von Kindheit auf vertraut mit der Region und ihrer Kohle, mit dem Rundumschlag nach der Wende und wie schwer es für meinen Vati und viele andere Arbeiter war, mit den unterschiedlichsten Verlusten umzugehen – Job, Heimat, Kumpels, Kollektiv, Gemeinschaft und ihrer Hände Arbeit, die weiß Gott alles andere als Zuckerschlecken war. Wer den Film „Gundermann“ gesehen hat, versteht, was hier zwischen den Zeilen steht. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass der Kumpel irgendwann das Haus eines anderen Kumpels oder Lausitzers wegbaggern wird, dass die Braunkohle nicht unendlich in der Erde schlummert, sich Konzerne zuallererst eine goldene Nase verdienen und unsere Lebensgrundlage immer noch die Natur ist. Fragt sich bloß, wie lange noch, bei unserer Gier nach immer mehr Wohlstand und Bequemlichkeit. Denkt auch mal jemand an unsere Enkel oder Urenkel? Ich möchte ihnen keine vergewaltigte, bis auf den letzten Bodenschatz ausgebeutete, ausgeblutete Erde überlassen. So nach der Devise: Nach mir die Sintflut!

Es gibt doch so viele fleißige, schlaue Leute, die forschen und nach Alternativen suchen. Dort soll Geld reingesteckt werden, dafür ein paar Kriege, Waffen und Dinge weniger, die die Menschheit nicht braucht. Noch benötigen wir Kohle für unseren Energiehunger, noch gibt es keine langfristigen Speichermöglichkeiten. Das ist Fakt. Aber daran muss gearbeitet werden und auch, wie die Menschen dann ihren Lebensunterhalt verdienen können. Wenn das einer schaffen kann, dann wir Deutschen. Schaut euch an, was sich nach der Wende alles positiv entwickelt hat, das darf man nicht vergessen. (...)

Also Herr Haustein-Teßmer, ich will/möchte in einer Gegend wohnen, wo es Wölfe, Batteriefabriken für umweltfreundliche Autos, viele Kinder, die attraktive Lausitzer Seenkette für alle, intakte Natur, wo es Arbeit und Menschen gibt, die ihre Heimat Lausitz lieben und Veränderungen wagen, auch zum zweiten Mal. Und wo Energie Cottbus in der 3., 2. oder 1. Liga spielt – da muss Träumen erlaubt sein.