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| 18:25 Uhr

Lesermeinung
Das war keine Revolution

Zu den Geschehnissen aus dem Herbst 1989 Von Heinz Brennenstuhl

Wenn heute bei den Geschehnissen um 1989 von „Revolution“ oder gar „friedlicher Revolution“ gesprochen wird und die Kanzlerin sogar den „Mut“ der Menschen in der DDR hervorhebt, kommt ein intimer Zeitzeuge doch etwas ins Grübeln. Was da als Revolution verkauft wird, stellte sich damals eher als Zusammenbruch der DDR- Wirtschaft dar. Das ZK der SED hat sich selbst abgeschafft. Das war vorhersehbar. Keiner wurde mehr überrascht als die DDR- Bürger selbst von dem plötzlichen Geschehen im November 1989, der sogenannten Revolution. Man kann jemanden, der einfach „abhaut“ ja wohl kaum als Revolutionär bezeichnen. Und jenen, die wirklich Revolution machen wollten, um nicht die Fehler des Westens zu übernehmen, hatte man gar nicht erst zugehört und sie ausgepfiffen. Es ging um die schnelle DM und alles, was damit plötzlich möglich war. Das hatte nicht nach Revolution ausgesehen. Im Gegenteil, jene wirklich mutigen Regimekritiker, die in allen DDR- Zeiten ihre Sicherheit und Freiheit riskierten, um auf die verdrehten Verhältnisse in ihrem Land aufmerksam zu machen, wurden von den meisten DDR-Bürgern zu keinem Zeitpunkt ernsthaft wahrgenommen. Die DDR- Opfer behandelt man noch heute wie einen peinlichen Betriebsunfall, und viele leben zurückgezogen, weggeschwiegen und billig abgefunden. Also von „Revolution“ sollte man lieber nicht sprechen. Das bestätigt auch die Geschichte danach bis heute.