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Leserbrief
Billig, billiger, am billigsten

Meinung Bauleistungen können nicht mehr erbracht werden, weil es keine anbietenden Unternehmen mehr gibt oder weil die angebotenen Leistungen 20 Prozent über den Planungen liegen. Was ist das nur für eine Argumentation? Der schwarze Peter für unerledigte und dringend notwendige Baumaßnahmen und Bausanierungen in der Stadt Cottbus ist aus Sicht der Baubeigeordneten Marietta Tzschoppe schnell gefunden. R. Schulze

Es sind natürlich die Unternehmen, die unter marktwirtschaftlichen Bedingungen Aufträge generieren müssen, um Mitarbeiter zu beschäftigen, Arbeits- und Betriebsmittel zu kaufen und nicht zuletzt Steuern und Abgaben zu leisten. Frau Tzschoppe, wie war das eigentlich in den letzten 20 Jahren? Sorgten Sie sich da um die ruinösen Preise, mit denen sich Unternehmen gegenseitig unterbieten mussten, um wenigsten die Unternehmen und deren Mitarbeiter vor der Insolvenz bzw. der Arbeitslosigkeit zu bewahren? Unter dem Motto billig, billiger am billigsten wurden die beauftragten Unternehmen genötigt, bei kommunalen Aufträgen immer weiter Nachlässe zu geben, immer mehr Formalitäten zu erfüllen, immer neue Unterlagen einzureichen. Die aus Sicht der Stadt Cottbus wirtschaftlichsten Unternehmen wurden beauftragt, wohl wissend, dass sie nur auf Verschleiß anbieten konnten. (…)

Der Baukonjunktur sei Dank, hat sich die Lage in den letzten drei Jahren zum Wohl der Auftragnehmer geändert. Die Unternehmen können jetzt die für sie wirtschaftlichsten Aufträge annehmen, können dadurch ihre Mitarbeiter besser entlohnen und Rücklagen für schwierige Zeiten bzw. Zahlungsausfälle bilden. (…) Preise für Bauleistungen sind, bedingt durch die rege Investitionstätigkeit im Wohnungsbau, gestiegen. Und das nicht erst seit diesem Jahr. Die Entwicklungen in der Bauwirtschaft zu verschlafen und stattdessen Ausschreibungsergebnisse zu ignorieren und somit Baumaßnahmen platzen zu lassen, zeugt von Inkompetenz, mangelnder Weitsicht und fehlendem Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Einwohnern, Unternehmen und Gästen der Stadt.