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| 17:17 Uhr

Lesermeinung
Beschämend für unser Land

Mindestlohn wird erhöht

Zu „Mindestlohn steigt in zwei Stufen“ (LR, 27. Juni): Es ist schon beschämend für ein solch reiches Land, eine Zumutung für die Betroffenen, was unser Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und die zuständige Kommission da beschlossen und verkündet haben. Wenn Deutschland unter den 22 EU-Staaten mit Mindestlohn im Niedriglohn-Ranking den 14. Platz einnimmt, sind wir Entwicklungsland, und Lettland und Slowakei haben uns längst überholt. Der verkündete kräftige Anstieg des Mindestlohns mit einer Erhöhung um gerade mal 35 Cent (von 8,84 auf 9,19 Euro – gemeint ist hier die erste Stufe – d.R.) ist doch geradezu grotesk und bestenfalls ein Lacher.

Und das von einer Partei, die von den Fehlern einer Agenda 2010 gelernt haben soll und nun zum Wohle unserer Menschen alles besser machen will. Das Problem liegt doch an anderer Stelle, nämlich darin, dass ein Großteil der Arbeitgeber nicht bereit sind, in das Tarifsystem einzutreten, also die Beschäftigten „außertariflich“ entlohnen, womit die Arbeitnehmer, auch wegen fehlender Vertretung durch die Gewerkschaft, aus jeglicher Begünstigung ausgeschlossen werden. Selbst erfolgreiche Unternehmen machen ihre Gewinnmaximierung auf Kosten der Beschäftigten.

Es gibt in unserer Region, und damit auch beispielhaft für Ostdeutschland, in Kamenz die Tochter des Autokonzerns Daimler  namens Accumotive GmbH (Akku für Elektroautos), welche in der Werbung „erfolgsbasierte Vergütung“ verspricht, in Wirklichkeit aber den Arbeitnehmern einen Lohn zahlt, der etwa 40 Prozent der am Stammsitz im Westen Tätigen entspricht. Im April hat der Daimler-Konzern seinen Aktionären die Dividende um 13 Prozent erhöht. Wenn die SPD weiterhin bestehen will, reicht es nicht, sich verändern zu wollen und die Altersarmut zu bekämpfen. Es bedarf der Taten! Die Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen lassen grüßen.

Hellfried Ziegler
Schwarzheide