| 17:15 Uhr

Lesermeinung
„Bätschi“ Sigmar Gabriel

Verloren haben die anderen

(...) In nächtelangen Verhandlungen haben es die Koalitionäre vollbracht, die scheinbar unüberwindlichen Differenzen so zu umschreiben, dass sie von allen Beteiligten den Wählern als Erfolg verkauft werden können. Die drei Parteispitzen haben ihre alten und neuen Machtpositionen gesichert und für das Alter vorgesorgt. Ohne Neuwahlen haben auch die neuen Bundestagsabgeordneten ihr Mandat gesichert, und den Menschen in Deutschland wird es demnächst viel besser gehen. Es gibt eigentlich nur einen echten Verlierer, Sigmar Gabriel. Bei den Bundestagswahlen 2013 gelang es ihm noch rechtzeitig, sich zusammen mit Walter Steinmeier aus der von ihm inszenierten Troika zu verabschieden und Peer Steinbrück die Wahlniederlage zu überlassen. Seinen Lebensunterhalt hat er seitdem als Parteichef und (zuletzt d.R.) als Außenminister bestritten. (...) Ganz anders bei den Wahlen 2017. Wieder hat Gabriel kurz vor der Wahl einen potenziellen Wahlverlierer ausgewählt und diesem den Parteivorsitz und die Kanzler-Kandidatur übertragen. Wie erwartet, hat dann Martin Schulz das schlechteste Wahlergebnis der SPD eingefahren, aber zum Glück sofort verkündet, dass er in einem Kabinett von Angela Merkel keine Posten übernehmen werde. Aber Worte sind Schall und Rauch. Pech nur für Gabriel, dass sich Schulz im Koalitionsvertrag ausgerechnet den Posten des Außenministers gesichert hat und ihn damit arbeitslos gemacht hat.

„Bätschi“ würde Andrea Nahles sagen. Aber es bleibt ihm ja immerhin noch die schwache Hoffnung eines negativen Mitgliedervotums.

Peter Hannemann
Cottbus