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Leserbrief
Alleen gehören zur Kulturgeschiche

Zum Beitrag „Gefährliche Alleebäume: die Säge ansetzen“ (LR vom 19. März 2018). Von Dr. Matthias Baxmann

Die Forderung des CDU-Landtagsabgeordneten und Präsidenten der Landesverkehrswacht Brandenburg, Rainer Genilke, angeblich gefährliche Baumalleen zu beseitigen, ist ungeheuerlich. Von gesunden Alleebäumen geht keine Gefahr aus! Vielmehr sind es rasende und die Verkehrsregeln missachtende Auto- und Motoradfahrer, die durch ihr unverantwortliches Tun sich selbst und andere in Gefahr bringen.

Eigentlich hat sich die Verkehrswacht der Verkehrserziehung verschrieben. Genilke macht sich jedoch zum populistischen Sprachrohr derer, die unsere brandenburgische Kulturlandschaft von ihren landschaftsprägenden Baumalleen entleeren wollen. Seine Fragestellung, „ob wir noch überall Alleen brauchen und als Kulturgut schützen wollen“, kann man nur als demagogische Entgleisung sehen und nicht als einen ernstgemeinten gesellschaftlichen Diskurs für mehr Verkehrssicherheit. Bei näherer Betrachtung wiederholt Genilke lediglich die Argumente der westdeutschen Autofahrerlobby der 1970er-Jahre, deren Umsetzung dazu führte, dass es in den so genannten Altbundesländern fast keine Alleestraßen mehr gibt.

Im Land Brandenburg sind die Alleen, die Herr Genilke mit dem Argument für mehr Verkehrssicherheit „absägen“ will, aus gutem Grund gesetzlich geschützt. Sie entstanden im 19. Jahrhundert im Zuge des preußischen Chaussee- und Kunststraßenbaus. Die straßenbegleitenden Alleebäume hatten die Funktion, den damals meist langsam fahrenden Verkehr zu beschatten und gleichzeitig in der flachen „märkischen Streusandbüchse“ geografische Orientierung zu geben. Sie sind so kulturgeschichtliche Elemente der brandenburgischen Landschaft und historische Informationsträger, die von vielen Besuchern unseres Landes und nicht wenigen Einheimischen geschätzt werden.

Darüber hinaus sind die Alleen wertvolle Fauna- und Florahabitate, das heißt einerseits wichtige Lebensräume diverser Tier- und Insektenarten, andererseits produzieren sie Sauerstoff, binden treibhausschädliche CO²-Abgase und reduzieren die Lärmverschmutzung. Deshalb dürfen die Verkehrssicherheit und der Schutz von Alleen nicht gegeneinander ausgespielt werden.