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| 19:49 Uhr

Lesermeinung
Adel verpflichtet

Vor 100 Jahren wurde der Adel abgeschafft Von Sebastian Freiherr von Rotenhan

Prinz und Prinzessin ade! – zur Seite „Story der Woche“ in der Lausitzer Rundschau vom 17./18. August:
Der Adel wurde 1919 abgeschafft, und die alten Titel wurden zum Bestandteil des Namens. Gleichwohl gefällt mir der Zungenschlag nicht, mit dem Autor Andreas Rabenstein sich der Materie nähert. Kein Adeliger hat sich seinen Namen ausgesucht. Er ist in diese Situation hineingeboren, es handelt sich um seine Herkunft, und diese ist vom Grundgesetz ausdrücklich geschützt.

Adelige sind heute ganz normale Bürger, und wie überall gibt es in diesem Personenkreis Kluge und Dumme, Reiche und Arme, Erfolgreiche und weniger Erfolgreiche. Allerdings haben nicht wenige adelige Familien in der deutschen Geschichte eine Rolle gespielt, mal positiv, mal weniger gut. Das reicht vom Fürsten Bismarck bis zum „Sudel-Ede“, dem unvergessenen Karl-Eduard v. Schnitzler.

Jeder kennt den Spruch, wonach Adel verpflichtet. Nicht wenige Adelige engagieren sich in ihrem Bereich, sei es politisch, sozial, in Vereinen oder sonst wo. Als ich vor zwanzig Jahren meinen Forstbetrieb in der Lausitz gekauft habe, fand ich in Reuthen ein völlig heruntergekommenes Herrenhaus vor. Ich habe es erworben und vor dem Einsturz gerettet, ohne dass dies den Staat auch nur einen Pfennig gekostet hätte.

Im Moment gefällt man sich in Brandenburg ja darin, sich auf die Hohenzollern einzuschießen. Wilhelm II. war kein Ruhmesblatt, aber es ist unzulässig, die historischen Verdienste dieses Hauses an einer Person festzumachen.

Der Chef der Hohenzollern, ein sympathischer junger Mann, muss sich inquisitorische Fragen zu seinen Vorfahren gefallen lassen. Und ein linker Finanzminister gefällt sich darin, dem Prinzen genüsslich unter die Nase zu reiben, dass sein Urgroßvater einmal mit Hitler aufgetreten ist. Als ob es nicht in jeder Familie Vorfahren gäbe, die freudig „Heil Hitler“ gerufen hätten.

Es ist auffällig, dass Parteien am rechten oder linken Rand immer Minderheiten brauchen, auf die man einprügeln kann. Bei den Nazis waren es die Juden, bei der AfD sind es die Flüchtlinge, bei den Kommunisten nach 1945 waren es die „Junker“, die man von ihrem Besitz vertrieb.

Bei der Vorsitzenden der Berliner Jusos (ohne diese mit den Nazis in einen Topf werfen zu wollen) ist es jetzt der Adel im Allgemeinen. Als ob sich irgendetwas änderte, wenn man einem Bismarck, Ribbeck, Pückler oder Hardenberg das „von“ vor dem Namen wegnähme.