Die Polizei bestätigte allerdings Berichte, nach denen in der Nähe des Teiches, in dem die tote Michelle lag, Haarbüschel gefunden wurden. Ob es Haare des Kindes sind, wollte Polizeisprecher Andreas de Parade gestern nicht sagen. Am Samstagabend hatten 350 Menschen in einem Gedenkgottesdienst in der Trinitatiskirche um das Mädchen getrauert.
Die Spurensicherung sammelte in einem Park in der Nähe des Teiches Zigarettenstummel ein, die noch untersucht werden. Auch dazu teilte die Polizei nicht mit, ob es einen Zusammenhang mit dem Verbrechen gebe. Michelle war am vergangenen Montag von der Ferienbetreuung in ihrer Schule nicht nach Hause gekommen. Am Donnerstag entdeckte ein Spaziergänger die Leiche des Mädchens in einem Teich im Osten der Stadt.
Kriminalpolizisten und Spezialisten der Spurensicherung sowie Spürhunde aus Thüringen und Bayern durchkämmten auch gestern die Umgebung des Fundortes. „Es ist eine Suche nach irgendwelchen Gegenständen, die uns auf die Spur des Täters bringen können“, sagte der Polizeisprecher. Das sei aber „sehr, sehr schwierig“ in diesem Stadtteil mit vielen Brachflächen und wie die „Suche nach der berühmten Nadel“ im Heuhaufen. Vermisst werden die rosafarbene Jacke und die pinkgemusterte Tasche, die das Mädchen zuletzt bei sich hatte.
Die Polizei überprüft auch die Alibis von mehr als 250 aktenkundigen Sexualstraftätern und sichtet mehr als 50 Stunden Videoaufzeichnungen aus Bussen und Straßenbahnen. 5000 Fahndungsplakate wurden gedruckt und auch an Taxifahrer, die Leipziger Verkehrsbetriebe sowie die Besucher der Computerspielemesse „Games Convention“ verteilt. Heute sollen sie auch an Geschäfte weitergegeben werden. 10 000 Euro Belohnung sind für Hinweise auf den Mörder ausgesetzt. Bisher seien etwa 250 Hinweise von Bürgern eingegangen, hieß es. In der bislang größten Sonderkommission der sächsischen Polizei seit der Wiedervereinigung arbeiten 177 Ermittler. (dpa/sha)

Zum Thema Kriminologen-Sicht
 Das Risiko für Kinder , Opfer einer Sexualmordes zu werden, war aus Sicht des Kriminologen Christian Pfeiffer in Deutschland noch nie so gering wie heute. „Auch wenn ein anderer Eindruck vermittelt wird – seit Jahrzehnten gehen diese Straftaten zurück“, sagte der Chef des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover. Der Grund: „Die Polizei war noch nie so gut, die Strafverfolgung arbeitet effizient, die Therapien für verhaltensgestörte Menschen sind besser.“ Es werde aber bei allen Anstrengungen nicht gelingen, solche Taten ganz zu verhindern. Völlig unsinnig sei es aber, wegen Fällen wie bei Michelle Kinder nicht mehr allein aus dem Haus zu lassen. „Die Selbstständigkeit von Kindern darf nicht behindert werden.“