Rund 150 Beamte suchten nach dem unter Mordverdacht stehenden Uwe Kolbig, der sich bis Redaktionsschluss weiter auf der Flucht befand. Der 43-Jährige soll Mitja vorigen Donnerstag sexuell missbraucht und anschließend erstickt haben.
Wie sich gestern herausstellte, wurde der fünffach vorbestrafte Sexualstraftäter zwischen Mai 2001 und April 2002 ausgerechnet in einem Schulzoo in seinem Wohnort Schkeuditz als ABM-Kraft eingesetzt, bestätigte der Sprecher der Leipziger Bildungsagentur, Roman Schulz. Kolbig hätte zwar keine pädagogischen Aufgaben gehabt, Kontakte zu Kindern seien allerdings möglich gewesen, räumte Schulz ein. Es habe aber keine Auffälligkeiten gegeben. Die Schule sei für die Auswahl der ABM-Kräfte nicht verantwortlich gewesen, so Schulz. Der Straftäter sei bei einer nicht mehr existierenden Beschäftigungsgesellschaft des Landkreises Delitzsch angestellt und durch das Programm "Qualifikation und Arbeit statt Sozialhilfe" der EU und des Freistaates Sachsen beschäftigt gewesen.
Der Eklat sorgte bis in die Landesregierung für Kopfschütteln. Es sei absolut unverständlich, dass eine solche Panne passieren könne, hieß es. Auch die Schulleiterin der Thomas-Müntzer-Grundschule zeigte sich erschüttert über den Umstand, dass ein vorbestrafter Triebtäter zur Arbeit in eine Schule geschickt wurde. Das Landratsamt wies die Vorwürfe jedoch zurück. Kolbig sei allenfalls mit der Reparatur von Gehwegen befasst gewesen. Die Arbeiten seien nur außerhalb der Schulzeiten verrichtet worden. "Ein Kontakt mit Schülern war daher ausgeschlossen", sagte Landratsamtssprecherin Gudrun Fritzsch. Da Kolbig nur für Arbeiten im Grünbereich eingesetzt wurde, sei die Behörde nicht berechtigt gewesen, ein polizeiliches Führungszeugnis anzufordern.
In die Kritik geriet indes auch die Leipziger Staatsanwaltschaft, die erst nach und nach das lange Vorstrafenregister Kolbigs eingeräumt hatte. Sachsens Justizminister Geert Mackenroth (CDU) fordert nun bundesweit eine härtere Gangart im Umgang mit gefährlichen Sexualstraftätern: "Die Führungsaufsicht ist bisher ein stumpfes Schwert. Wir sollten es zum Schutz möglicher neuer Opfer schärfen." So sollte die Führungsaufsicht bei gefährlichen Sexualstraftätern nicht nur in Ausnahmen, sondern in der Regel unbefristet angeordnet werden können. Auch der Katalog von Weisungen könnte bis hin zu Alkohol- und Kontaktverboten ausgebaut werden. Bei Verstößen gegen diese sollten zudem höhere Strafen verhängt werden können, forderte Mackenroth. Die bisherigen Vorschläge von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) gingen in die richtige Ri chtung, aber nicht weit genug. "Der Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Rückfalltätern muss uns die Mehrkosten, die solche Maßnahmen verursachen, wert sein", betont der sächsische Minister.
Mitjas Leiche war am vergangenen Samstag in der Gartenlaube von Uwe Kolbig bei Leipzig gefunden worden. Zugleich wurden Bilder von Kolbig und dem Jungen, die auf einer Straßenbahnfahrt mit einer Überwachungskamera aufgenommen worden waren, in den Medien veröffentlicht. Seitdem gingen bisher 185 Hinweise aus der Bevölkerung ein, sagte ein Polizeisprecher.