Frau Klum, hat der rheinische Karneval Ihre Halloween- und Kostüm-Begeisterung entfacht?
Auf jeden Fall. Karneval war immer eine große Sache. Schon früher kamen die Leute aus ganz Deutschland, um Karneval in Köln zu feiern, die verschiedenen Züge anzuschauen . . . Das ist schon ein Erlebnis! Es gehört einfach zu meiner Heimat. Gerade in meiner Familie wurde Karneval jedes Jahr zelebriert. Meine Mutter hat sogar immer die Kostüme für uns alle selber genäht.

Haben Sie sich schon als Kind gerne verkleidet?
Meine Leidenschaft zum Verkleiden habe ich tatsächlich schon, seit ich ein kleines Mädchen war. Meine Eltern haben zu Geburtstagen Ihre Freunde oft zu Motto-Partys eingeladen. Ich bin also damit aufgewachsen und habe beobachten können, wie viel Spaß sie dabei hatten, sich für die Partys zu verkleiden. Daher habe ich, als ich 16 wurde, auch angefangen, solche Partys zu geben. Ich habe meinen 16., 17. und 18. Geburtstag mit Mottos wie "Space-Party", "70er-Jahre" oder "Familie Feuerstein" gefeiert. Meine Freunde haben es geliebt, sich zu verkleiden und zu meinen Geburtstagspartys zu kommen. Wir hatten viel Spaß - deutlich mehr als auf diesen Partys, bei denen man nur cool sein wollte und alle bei Musik rumsaßen.

Wie sind Sie nach dem Umzug in die USA zu einem so großen Halloween-Fan geworden?
Vor einigen Jahren ist mir aufgefallen, dass viele meiner Freunde in New York - eigentlich die New Yorker allgemein - es nicht mochten, sich zu verkleiden. Ich war auf so vielen Partys und es war immer das Gleiche: tanzen, Musik hören, den gerade angesagten Drink in der Hand halten und versuchen, Unterhaltungen zu führen. Daher dachte ich, dass es mal an der Zeit wäre, das Ganze aufzumischen und ich beschloss, eine Halloween-Party zu geben, auf der Verkleidungspflicht herrscht. Ich glaube übrigens, dass Kostümieren die Menschen für den Moment verändert und bei dem einen oder anderen ungeahnte Fantasie und Kreativität hervorbringt.

Die Verkleidung als alte Frau vor zwei Jahren war sehr beeindruckend. Gab es Leute, die Sie nicht erkannt haben?
Ich glaube, das war auch eines meiner Lieblingskostüme! Ich war eine 95 Jahre alte Version von mir. Ich bin in dem Jahr 40 geworden und alle haben immer wieder gefragt, wie ich mich damit fühle. Daher kam mir der Gedanke, zu zeigen, dass ich keine Angst vor dem Älterwerden habe. Im Gegenteil, jeder kann sogar gerne sehen, wie ich im Alter aussehen werde. Die meisten Frauen wollen an Halloween supersexy sein und kommen als Krankenschwester oder sexy Teufelin. Aber mir geht es eher darum, eine komplette Verwandlung zu schaffen.

Wie viel Arbeit und Zeit steckt in den Vorbereitungen?
Das Kostümieren ist vielen nicht wichtig, für mich ist es das aber, und daher stecke ich viel Energie hinein. Du musst richtig kreativ sein und dann alles dafür tun, dass es genau so wird, wie Du es Dir vorstellst. Für mich gibt es nur ganz oder gar nicht! Halbherzig rangehen funktioniert nicht. Du musst richtig überzeugt sein, über jedes Detail nachdenken und ganz wichtig: großen Spaß dabei haben!

Wen laden Sie zu der Party ein?
Freunde, Familie, Leute, mit denen ich das Jahr über arbeite. Ich liebe es, alle um mich herum zu haben. Und ich liebe es umso mehr, wenn ich bei der Begrüßung im ersten Moment kurz überlegen muss, wer da vor mir steht!

Mit Heidi Klum

sprach Barbara Munker

Zum Thema:
Heidi Klum ist Fotomodel und ein Fernsehphänomen in Deutschland und den USA ("Germany's Next Topmodel", "Project Runway"). Entdeckt wurde sie einst in einer Late-Night-Show von Thomas Gottschalk. Die heute 42-Jährige stammt aus Bergisch Gladbach und lebt meist in den USA. Die vierfache Mutter war lange mit Popstar Seal verheiratet. Zuletzt wurde sie häufiger mit dem New Yorker Kunsthändler Vito Schnabel gesehen.