Seit zehn Jahren lebt die 36-Jährige in Luckau. Inzwischen bildet sie einen fluggewandten Wüstenbussard aus.

Gestochen scharf funkelt das Augenpaar herüber. Die Krallen sind fest am Handschuh von Yvonne Siedschlag verankert. Der Wüstenbussard mit dem dunkelbraunen Federkleid ist gesichert, wegfliegen kann er nicht. Dennoch wirkt die Szenerie etwas bedrohlich. Im Garten der 36-Jährigen hat sich der Bussard inzwischen Respekt verschafft. "Der Vogel weiß sofort, wer hier auf das Grundstück gehört", sagt Yvonne Siedschlag.

"Der Vogel ist jetzt etwa zwei Jahre alt und seit der Geburt im Training. Ein Harris Hawk", nennt die junge Frau die korrekte, aus dem Englischen stammende Bezeichnung für den Bussard, der zur Familie der Habichtartigen gehört. "Für Falkneranfänger ist das Tier gut in der Handhabung", sagt Yvonne Siedschlag. "Weil er recht anhänglich ist und man ihn gut prägen kann", so die Falknerin weiter. "Der Bussard wird auf der Faust gefüttert. Er muss lernen, dass er Nahrung nur beim Menschen bekommt."

Umgang mit Tieren hatte Yvonne Siedschlag seit ihrer Kindheit. Sie stammt aus einer Försterfamilie. Ihr Vater habe sie frühzeitig zur Jagd mitgenommen. Nach ihrem Abitur hat Yvonne Siedschlag Landschaftsnutzung und Naturschutz in Eberswalde studiert. Seit 2004 ist sie bei der Heinz Sielmann Stiftung beschäftigt, kümmert sich um Flächenverwaltung, forst-, land- und jagdwirtschaftliche Themen. Dabei engagiert sie sich stark für den Natur- und Artenschutz. "Ich präsentiere den Wüstenbussard oft in Kitas und nehme an Projekttagen des Landesforstes teil", sagt Yvonne Siedschlag.

Zwischen 2005 und 2006 hat sie ihre Jagdprüfung als Voraussetzung für den Falknerschein absolviert. Bereits zu dieser Zeit hatte Yvonne Siedschlag Kontakt zu Falknern. "2007 habe ich praktische Erfahrungen bei einem Falkner nahe Calau sammeln können", denkt sie zurück. Auf einem Adler- und Jagdfalkenhof hat sie dann das Handwerk der Falknerin gelernt und schließlich 2008 den Falknerschein in Sachsen-Anhalt gemacht. "In Brandenburg ist das leider nicht möglich", sagt Siedschlag.

Seit 2011 ist die junge Frau im Landesverband Brandenburg des Deutschen Falkenordens tätig. "Ich hole mir beim Training den nötigen Ausgleich zum Alltag", sagt Siedschlag. Etwa eine Stunde investiert sie täglich. "Richtig entspannen kann ich, wenn ich mich nur auf das Tier konzentriere. Da schalte ich dann völlig ab."