Andreas H. habe das Vermögen seiner Familie alleine erben wollen und kaltblütig den Mord an seinen Eltern und Schwestern geplant, urteilten die Richter am Mittwoch. Sie stellten bei ihm eine besondere Schwere der Schuld fest. Eine Haftentlassung nach 15 Jahren ist damit ausgeschlossen. Das Gericht ordnete zudem eine vorbehaltene Sicherungsverwahrung an: Zum Ende der Haftzeit wird geprüft, ob Andreas H. eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und deshalb eingesperrt bleibt. Die beiden Schulfreunde hatten am 9. April 2009 mit rund 30 Schüssen die Eltern und die beiden Schwestern von Andreas H. erschossen. Der zur Tatzeit 18-Jährige beteuerte vor Gericht, unter seinem despotischen Vater gelitten zu haben. Er sei ein Außenseiter in der Familie gewesen und habe sie aus Hass umgebracht. Der Vorsitzende Richter Gerd Gugenhan ließ dies aber nicht gelten. Das Gericht geht stattdessen von Habgier aus. Darauf deute eine Wunschliste des Schulfreundes Frederik B., die er auf Aufforderung von Andreas H. geschrieben habe. Außerdem hatte Andreas H. eine To-Do-Liste für die Zeit nach dem Mord erstellt. Darauf stand etwa ein Finanz-Check. Die Familie hatte Kapitalanlagen, Immobilien und Lebensversicherungen im Wert von einer Million Euro. Bei Frederik B. ließ das Gericht offen, ob er ebenfalls aus Habgier handelte. Handlungsleitend könnte eher die Freundschaft gewesen sein, sagte Gugenhan: Bei dem 20-Jährigen berücksichtigte das Gericht eine vom Gutachter attestierte Entwicklungsstörung. Demnach leidet Frederik B. unter dem "Asperger-Syndrom", einer Art Autismus. Die Verteidiger hatten für beide Angeklagten Jugendstrafen gefordert, ohne ein Strafmaß zu nennen. Der Verteidiger von Andreas H. kündigte an, das Urteil anzufechten. dpa/mar