Vor seiner Urteilsbegründung wandte sich der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf mit persönlichen Worten an die Familie, die nicht im Gerichtssaal war, und sprach den Eltern das „tiefe Mitgefühl“ der Kammer aus. Die Empörung der Öffentlichkeit sei verständlich. Zwar sei die Begegnung von Mitja und Uwe K. zufällig und nicht geplant gewesen. Das Gericht sei aber davon überzeugt, dass Uwe K. die Offenheit des Neunjährigen ausgenutzt und sich frühzeitig zu der Tat entschlossen hatte, spätestens auf der gemeinsamen Straßenbahnfahrt in die Wohnung des Täters.
„Er wusste bereits früh, wohin die Reise gehen wird. Die Frage war nur noch, wann und wie“ , so Jagenlauf. Mit Kuchen und Fernsehen habe er sich noch das Vertrauen des Kindes erschlichen. Nach der Vergewaltigung habe er sich dann wegen der schweren Verletzungen des Jungen entschlossen, Mitja zu töten, um seine Tat zu verdecken. Uwe K. habe sich „als Herr über Leben und Tod gefühlt“ und Mitja erwürgt.
Angesichts seiner vorherigen Straftaten sei sich der Mörder sehr wohl seines Gefahrenpotenzials bewusst gewesen, wenn er viel Alkohol trinke - wie an jenem Tag. „Die nötige Menge Alkohol und das geeignete Opfer führen zu einer solchen Tat“ , sagte Jagenlauf. Wegen der Reihe von Vorstrafen aus den vergangenen 20 Jahren und der Einschätzung eines psychiatrischen Gutachtens habe die Kammer keine andere Möglichkeit gesehen, als auch die Sicherungsverwahrung anzuordnen. „Die Entscheidung war alles andere als einfach“ , so Jagenlauf. Doch K. habe eine ausgeprägte Pädophilie und sei willensschwach. Er sei aber voll schuldfähig.
Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft, während die Verteidigung auf eine Strafmaßforderung verzichtet hatte. Auch nach dem Urteil ließ K.s Verteidiger Malte Heise offen, ob er wegen des Strafmaßes in Revision gehen werde. Dies hänge von der Entscheidung seines Mandanten ab, der für die Zukunft eventuell Hafterleichterungen erwirken könne. Man könne heute noch nicht sagen, dass K. nie wieder frei komme, betonte Heise. Dies hänge von seiner Entwicklung ab. Der Angeklagte hatte zum Auftakt des Prozesses ein dürres Geständnis verlesen lassen und in seinem Schlusswort die Eltern von Mitja persönlich um Verzeihung gebeten, auch wenn ihm Vergebung nicht zuteil werden könne. Er werde „den ihm auferlegten Weg gehen und bewältigen“ , so Uwe K.
Mitjas Familie nahm das Urteil als Genugtuung auf, sagte deren Anwältin Ina Alexandra Tust nach dem Richterspruch. Die Eltern seien froh, wenn der Rummel nun vorbei sei und Ruhe einkehre. Es gehe ihnen sehr schlecht. Nach der Verbüßung von 15 Jahren Haft für den Mord und weiteren zehn Jahren Haft für die Vergewaltigung sei K. 68 Jahre alt, ehe die Sicherungsverwahrung greife, erklärte Anwältin Tust. Diese Anordnung werde dann alle zwei Jahre überprüft. Staatsanwältin Claudia Laube sagte, in diesem Prozess gebe es keine Sieger. „In diesem Fall gibt es nur einen Verlierer, und der heißt Mitja. Und eventuell noch einen zweiten, den Angeklagten.“
Mitjas Leiche war zwei Tage nach seinem Verschwinden Ende Februar in der Gartenlaube von K. gefunden worden. K. hatte es versucht, aber nicht vermocht, den Jungen zu vergraben. Die Polizei suchte fast eine Woche mit einem Großaufgebot nach dem flüchtigen Täter, bis sich K. vor eine Straßenbahn warf. Er überlebte den Selbstmordversuch schwer verletzt und ist wieder genesen.