Um drei Uhr früh dringt plötzlich ein Mann mit Sturmhaube und Kampfanzug in die Hütte ein. Die dunkle Gestalt zückt ein Messer nach dem anderen, fängt an zu morden. "Die Hütte hatte nur eine einzige Tür. Sie war für die Familie eine Todesfalle", sagt der Vorsitzende Richter Michael Skawran am Mittwoch. Er macht immer wieder sein Entsetzen deutlich, als er den Mann verurteilt, der 2009 dieses Blutbad begangen haben soll. "Eine ganze Familie wurde von Ihnen ausgelöscht", sagt Skawran zum Angeklagten und verurteilt ihn für dreifachen Mord zur Höchststrafe: "lebenslang". Der Lackierer muss damit mindestens 15 Jahre in Haft, vermutlich länger. Denn das Gericht hat eine "besondere Schwere der Schuld" festgestellt. Der rundliche Mann mit Stirnglatze ist ein Angeklagter, wie er nicht alle Tage als Mörder vor Gericht steht. Der 34-Jährige hat keine Vorstrafen. Er trinkt nicht. Er war laut seinem Bekanntenkreis niemals gewalttätig. Der Mann ist auch nicht psychisch krank, hat Gerichtspsychiater Prof. Norbert Leygraf gesagt. Aber: Er habe in jahrzehntelanger Arbeit bei Gericht noch nie den Fall gehabt, dass gleich drei Menschen von einem Angreifer derart zugerichtet worden seien. 48-mal hatten die Klingen die Ex-Freundin getroffen, 27-mal ihre Mutter, 11-mal ihren Vater. Nur eine angestaute tiefe Kränkung könne das erklären, so Leygraf. "Das Motiv ist letztlich im Dunkeln geblieben", sagt der Richter. Das Gericht hält für möglich, dass das gemeinsame Kind eine Rolle spielte. Die damals zehn Monate alte Ronja war bei der Tat unversehrt geblieben. Möglicherweise habe sich der Angeklagte um Unterhalt für Mutter und Kind drücken wollen. Denkbar sei auch, dass er das Sorgerecht allein für sich haben wollte. dpa/mar